Scalable Capital oder Trade Republic in Österreich? Der Vergleich 2026
Seit dem 8. Oktober 2026 stehen in Österreich zwei steuereinfache Neo-Broker aus Deutschland nebeneinander: Trade Republic (seit rund eineinhalb Jahren) und Scalable Capital (neu). Beide: 0 Euro Depotgebühr, kostenlose Sparpläne, Order-Gebühren um einen Euro. Auf dem Papier fast Zwillinge. In unserem Depotvergleich Österreich liegen sie auf Platz 1 und 2 – Scalable vorne, Trade Republic direkt dahinter.
Im Alltag nicht. Trade Republic ist die Alleskönner-App mit Konto, Karte und Cashback. Scalable Capital ist der Spezialist für Wertpapiere und Zinsen – Telefonsupport, mehr Anlageklassen, separates Tagesgeld. Hier siehst du, wo die beiden wirklich auseinanderlaufen.
Kurzfazit: Wer passt zu wem?
| Du willst … | Dann eher |
|---|---|
| Konto, Karte, Saveback und Aufrundung in einer App | Trade Republic |
| Telefonsupport, Fonds, Festgeld und Dividenden-Reinvest | Scalable Capital |
| nur ETFs sparen (0 € Ausführung) | beide passen |
| ein bestehendes Depot übertragen | erst Auskunft von Scalable abwarten |
Wenn du einfach nur ETFs sparen willst, kannst du mit beiden nichts falsch machen. Die Entscheidung hängt an den Extras: Willst du eine Karte und Cashback, nimm Trade Republic. Willst du Telefonsupport, Tagesgeld und eine breitere Produktauswahl, nimm Scalable.
Die wichtigsten Unterschiede im Überblick
| Merkmal | Scalable Capital | Trade Republic |
|---|---|---|
| Steuereinfach | ja, zunächst nur Neukunden | ja, seit ca. 1,5 Jahren |
| Depotgebühr | 0 € | 0 € |
| Order (Standard) | 0,99 € (EIX) | 1 € |
| Order gettex/Xetra | 1,99 € | - |
| ETF-Sparplan | 0 €, ca. 3.300 ETFs | 0 €, über 2.400 ETFs |
| Aktien-Sparplan | 0 €, über 4.000 Aktien | 0 €, über 3.000 Aktien |
| Fonds | ja | nein |
| Krypto | nur als ETP | direkt, mit Aufschlag |
| Girokonto | nein | rudimentär |
| Karte, Saveback, Aufrundung | nein | ja |
| Zinsen | Tagesgeldkonto 2,6 % | auf Verrechnungskonto |
| Festgeld | ab November geplant | nein |
| Support | Telefon, Chat, E-Mail, FAQ | Telefon und Chat nur in der App |
| Abo | Prime Plus (ca. 5 €/Monat) | keins |
| Hauptversammlung | ja, 9,99 € | nein |
Gebühren: praktisch gleichauf
Bei den Kosten gibt es keinen echten Gewinner. Beide haben null Depotgebühr, null Gebühr für das Verrechnungskonto, keine Ausschüttungs- oder Dividendengebühr und kostenlose Sparplanausführung. Dazu kommen wie überall die Produktkosten der Wertpapiere und mögliche Spreads.
Bei Einzelorders liegt Scalable mit 0,99 € an der EIX hauchdünn vorn. Trade Republic nimmt 1 €. Wer bei Scalable lieber an gettex oder Xetra kauft, zahlt 1,99 €.
Bei Fremdwährungen nimmt Trade Republic eine sehr kleine Spanne beim Umtausch, bei US-Dollar gegen Euro im Bereich von etwa 0,14 %. Scalable gibt an, keine Devisengebühr zu erheben. Ob es zusätzlich eine Spanne gibt, ist noch nicht abschließend geklärt.
Prime Plus bei Scalable
Scalable bietet zusätzlich ein Abo an: Prime Plus für rund 5 € im Monat. Es enthält die Ordergebühren an der EIX ab 250 € Ordervolumen, günstigere Spreads auf Krypto-ETPs, Portfolioanalyse und Preisalarme. Beim Tagesgeld kannst du dein Guthaben außerdem auf bis zu fünf Banken verteilen, so liegen bis zu 500.000 € über mehrere Einlagensicherungen verteilt. Für reine Sparplan-Anleger lohnt sich das selten.
Sparplan: Fast ein Gleichstand
Der ETF-Sparplan funktioniert bei beiden hervorragend. Beide verlangen keine Ausführungsgebühr. Scalable bietet rund 3.300 ETFs, Trade Republic über 2.400. Wer weltweit streut, findet die großen ETFs bei beiden. Auch Aktien lassen sich bei beiden besparen: bei Scalable über 4.000, bei Trade Republic über 3.000.
Eine Besonderheit bei Trade Republic: Dort kannst du auch echte Kryptowährungen im Sparplan kaufen. Der Aufschlag dafür ist allerdings hoch, und die Frage ist, ob du das für den Vermögensaufbau brauchst. Scalable bietet Krypto nur über Börsenprodukte (ETPs). Mehr zu Kosten und Aufbau: ETF-Sparplan: Grundlagen und ETF-Kosten.
Zinsen: Tagesgeld gegen Verrechnungskonto
Beide Broker locken mit Zinsen. Der Unterschied liegt im Aufbau:
- Trade Republic zahlt Zinsen direkt auf das Verrechnungskonto. Das Geld liegt bei Partnerbanken in Deutschland, Frankreich, Schweden und Irland.
- Scalable Capital verlangt ein eigenes Tagesgeldkonto. Das Geld liegt bei Scalable selbst oder bei einer von vier Partnerbanken in Deutschland und Frankreich, wo die gesetzliche Einlagensicherung gilt. Aktuell sind es 2,6 % p. a.
Geldmarktfonds nutzen beide in Österreich nicht, weil sie hier mit 27,5 % statt 25 % besteuert werden und steuerlich komplizierter sind. Festgeld bietet nur Scalable an, und zwar ab November 2026: 12 Monate etwa 3 %, 24 Monate etwa 3,25 % (Deutschland-Konditionen). Wer das beste Zinsangebot sucht, findet im Zinsvergleich der Broker oft noch höhere Sätze.
Handelsplätze und Anlageklassen
Hier unterscheiden sich beide stärker.
Trade Republic hat in den letzten Monaten deutlich ausgebaut und bietet mehr Handelsplätze und Anschluss an multilaterale Handelssysteme. Es ist ein systematischer Internalisierer: Die 1-€-Orders laufen über Trade Republic selbst.
Scalable Capital nutzt die hauseigene EIX, daneben gettex und Xetra. Auch hier ist Scalable Internalisierer über die EIX. Wiener Börse und US-Börsen sind nicht handelbar.
| Anlageklasse | Scalable Capital | Trade Republic |
|---|---|---|
| Aktien | ja | ja |
| ETFs, ETCs | ja | ja |
| Fonds | ja | nein |
| Anleihen | nur wenige | nur wenige |
| Zertifikate, Optionsscheine | ja | ja |
| Futures, Optionen, CFDs | nein | nein |
| Fremdwährungskonten | nein | nein |
| Krypto | nur ETPs | direkt |
| Gold | nur ETCs | nur ETCs |
Für klassische Anleger reicht beides. Wer Vollbroker-Auswahl wie bei Easybank, Bank direkt, Flatex oder Dadat sucht, wird bei beiden nicht ganz glücklich.
Orderarten
Bei den Orderarten ist Trade Republic flexibler bei der Gültigkeit: Du kannst eine Order nur für heute, ein Jahr oder bis zu einem bestimmten Datum setzen. Bei Scalable gilt eine Order einheitlich bis zu 360 Tage und lässt sich jederzeit stornieren. Dafür hat Scalable zusätzlich die Stop-Limit-Order, die Trade Republic nicht anbietet. Market, Limit und Stop gibt es bei beiden.
Depotübertrag und Wechsel
Der Wechsel ist ein Unterschied, den man nicht übersehen sollte:
- Trade Republic: Ein eingehender Depotübertrag ist nicht möglich. Ausgehend geht es, aber die Anschaffungskosten werden beim neuen Broker oft nicht korrekt übernommen. Das kostet Zeit und Nerven.
- Scalable Capital: Zum Übertrag gibt es noch keine Auskunft, weder zur Eingehend- noch zur Ausgehend-Seite.
Wenn du mit einem bestehenden Depot wechseln willst, ist das ein Grund, genau hinzuschauen. Grundlagen und Stolperfallen findest du im Ratgeber Depotübertrag.
Support, App und Oberfläche
Support: Scalable ist per Telefon, E-Mail, Chat und FAQ erreichbar. Bei Trade Republic gibt es Telefon und Chat, aber nur über die App. Wer keinen Zugriff mehr auf die Smartphone-App hat, kann den Kundendienst nicht kontaktieren. Das ist ein echter Nachteil, etwa wenn du dein Handy verlierst.
App: Bei Scalable sehen Smartphone-App und Weboberfläche praktisch gleich aus. Beide sind aufgeräumt, aber dunkel gestaltet; einen hellen Modus gibt es bisher nicht. Trade Republic hat auf dem Smartphone viele Funktionen, vor allem durch Karte und Konto. Das Web-Terminal weicht deutlich von der App ab und richtet sich an erfahrene Trader, für viele ist es zu überladen. Im App Store sind beide mit 4,6 Sternen bewertet.
Was nur Trade Republic bietet
- Girokonto-Funktion (rudimentär)
- Karte
- Saveback: 1 % Cashback in Form von Wertpapieren
- Aufrundungsfunktion bei Kartenzahlungen
- Direkter Kauf von Kryptowährungen
Ob Scalable eine Karte einführt, ist offen. Der Druck der Konkurrenz könnte das ändern.
Was nur Scalable Capital bietet
- Fonds und Aktionärsrechte (Hauptversammlung für 9,99 € plus Fremdkosten)
- Dividenden automatisch reinvestieren
- Festgeld (ab November 2026 geplant)
- Telefonsupport und Support außerhalb der App
- Automatischer Steuer-Voucher für Schweizer Dividenden zur Rückholung der Quellensteuer
- Agentic Investing: Anlegen mit KI-Assistenten wie Claude oder ChatGPT
- Ein Wertpapierkredit ist angekündigt
Steuern, Abrechnung und Transparenz
Beide sind steuereinfach, das heißt: Kapitalertragsteuer und Verlustausgleich laufen automatisch. Wie gut das funktioniert, hängt an der Praxis.
Trade Republic hat bereits eineinhalb Jahre Erfahrung, und die zeigt Schwächen. Die Abrechnungen sind knapp, Steuerbuchungen werden gelegentlich nachgebucht, steuerliche Anschaffungskosten sind nicht einsehbar, und ausschüttungsgleiche Erträge sind schwer nachzuvollziehen. Auch beim Support gibt es bei Detailfragen Luft nach oben.
Scalable Capital ist zu neu, um dazu eine Aussage zu treffen. Hier lohnt sich Wachsamkeit: Prüfe die ersten Abrechnungen genau. Wünschenswert wäre eine Transparenz wie bei Dadat, wo die steuerlichen Anschaffungskosten einsehbar sind.
Fazit: Scalable Capital oder Trade Republic?
Beide Anbieter sind günstig, steuereinfach und für ETF-Sparer eine gute Wahl. Die Entscheidung lässt sich auf wenige Fragen reduzieren:
- Du willst Konto, Karte und Cashback in einer App: Trade Republic.
- Du willst Telefonsupport, mehr Produkte und ein separates Zinskonto: Scalable Capital.
- Du willst nur ETFs sparen: Beide passen. Entscheide nach App-Gefühl und Support.
- Du willst dein bestehendes Depot übertragen: Warte, bis Scalable zum Übertrag Auskunft gibt, und plane bei Trade Republic die Anschaffungskosten ein.
Wenn du zufrieden bist mit deinem aktuellen Anbieter, musst du nicht wechseln. Du kannst auch beide parallel nutzen: einen für den Sparplan, den anderen für Zinsen. Im Gesamtbild aller Österreich-Depots liegt Scalable bei uns auf Platz 1, Trade Republic auf Platz 2 – nachzulesen im Depotvergleich Österreich. Welcher Anbieter nach deinen Prioritäten ganz oben steht, zeigt der Depot-Finder. Mehr zu Scalable allein steht im Beitrag Scalable Capital in Österreich.
War dieser Beitrag hilfreich?