Notgroschen und Tagesgeld: Reserve vor dem ersten ETF
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Bevor du den ersten ETF kaufst, brauchst du Geld, das du nicht anfassen musst, wenn die Börse fällt. Das ist der Notgroschen. Er liegt auf dem Tagesgeld, nicht im Depot.
Wie Inflation diese Reserve und den Rest deines Geldes betrifft, steht in Inflation und Sparen. Hier geht es nur um die Reserve selbst.
Was der Notgroschen leistet
Er zahlt die Waschmaschine, die Zahnarztrechnung oder zwei Monate Miete, wenn das Gehalt ausfällt. Ohne ihn greifst du ins Depot. Dann verkaufst du Anteile, oft genau dann, wenn die Kurse schon unten sind.
Drei bis sechs Monatsausgaben sind die übliche Spanne. Bei 2.000 Euro festen Kosten sind das 6.000 bis 12.000 Euro. Das klingt nach viel. Es ist trotzdem der Teil, den du zuerst aufbaust.
Warum Tagesgeld und nicht Festgeld oder Aktien
Tagesgeld kannst du täglich abrufen. Festgeld bindet dich für Monate. Aktien und ETFs schwanken. Für die Reserve zählt nur: morgen verfügbar, ohne Kursrisiko.
Der Zins auf dem Tagesgeld schwankt mit dem Markt. Manchmal liegt er unter der Inflation, manchmal darüber. Das ist egal für den Job der Reserve. Du zahlst hier für Sicherheit und Liquidität, nicht für Vermögensaufbau.
So dimensionierst du die Summe
- Monatsausgaben notieren. Nur das, was wirklich jeden Monat geht.
- Multiplikator wählen. Drei Monate bei stabilem Doppelverdienst, sechs Monate bei unsicherem Einkommen.
- Zielbetrag aufschreiben. Zum Beispiel 9.000 Euro bei 1.500 Euro Kosten und sechs Monaten.
- Auffüllen. Jeden Monat einen festen Betrag, bis die Zahl steht. Danach nur noch nach Verbrauch nachfüllen.
Hast du schon 4.000 Euro auf dem Girokonto „für alle Fälle“ liegen? Überweise sie aufs Tagesgeld und zähl sie zur Reserve. Was darüber liegt, darf in den ETF, sobald die Zielsumme erreicht ist.
Reserve und Sparplan parallel
Viele schaffen den vollen Notgroschen nicht in drei Monaten und wollen trotzdem anfangen. Dann teilst du die Sparrate: erst Reserve füllen, kleinen ETF-Anteil mitlaufen lassen, später umkehren.
Beispiel: Du kannst 400 Euro im Monat zurücklegen. Zielreserve 8.000 Euro. Du legst 300 Euro aufs Tagesgeld und 100 Euro in einen Welt-ETF. Nach gut zwei Jahren steht die Reserve. Ab dann fließen 400 Euro in den Sparplan.
Wie der ETF-Teil aussieht, erklärt ETF für Anfänger. Das Depot eröffnest du parallel, den großen Sparplan startest du erst, wenn die Reserve steht.
Was du nicht tun solltest
Nicht die Reserve in Einzelaktien oder Themen-ETFs stecken, weil der Tagesgeldzins gerade niedrig ist. Nicht „kurzfristig“ 2.000 Euro aus der Reserve in den Markt schieben, weil irgendwer einen Dip ausruft. Und nicht den Notgroschen auf null fahren, nur weil du den ETF-Sparplan hochdrehen willst.
Der Ablauf bleibt einfach: erst greifbares Geld für echte Notfälle, dann langfristig anlegen.
Häufige Fragen
Wie viel Notgroschen brauche ich wirklich?
Drei Monatsausgaben sind das Minimum, sechs Monate sind komfortabler, wenn dein Einkommen schwankt oder du Alleinverdiener bist. Wer befristet arbeitet oder Selbstständige ist, tendiert eher zu sechs bis neun Monaten. Paare mit zwei stabilen Gehältern kommen oft mit drei bis vier Monaten aus.
Zählt das Girokonto als Notgroschen?
Nur der Teil, den du bewusst als Reserve liegen lässt. Das laufende Haushaltsgeld auf dem Girokonto ist kein Notgroschen. Besser: Tagesgeldkonto, eigener Name, eigener Zielbetrag. Dann weißt du, ob die Reserve steht oder noch fehlt.
Darf ich den Notgroschen anlegen, solange die Zinsen niedrig sind?
Nein. Der Job der Reserve ist Verfügbarkeit, nicht Rendite. Fällt der Aktienmarkt um 30 Prozent und du brauchst gleichzeitig Geld für die Waschmaschine, verkaufst du zum ungünstigsten Zeitpunkt. Tagesgeldzinsen schwanken. Der Schutz vor Zwangsverkauf bleibt.
Soll ich erst den Notgroschen voll haben und dann erst ETFs kaufen?
Idealerweise ja. In der Praxis baust du oft beides parallel auf: 70 Prozent der Sparrate aufs Tagesgeld, 30 Prozent in den ETF, bis die Reserve steht. Danach drehst du um. Starte keinen großen ETF-Betrag, solange die Reserve noch bei null liegt.
Was gehört in die Monatsausgaben-Rechnung?
Miete oder Kreditrate, Nebenkosten, Lebensmittel, Versicherungen, Mobilfunk, Abos, die du wirklich brauchst, und laufende Kreditraten. Einmalige Wünsche und teure Hobbys lässt du raus. Nimm die letzten drei Kontoauszüge und bilde einen realistischen Durchschnitt.