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ETF für Anfänger: So funktionieren Aktien, ETFs und dein erstes Depot

Was eine Aktie ist, wie ein ETF funktioniert und wie du Schritt für Schritt dein erstes Depot eröffnest und einen Sparplan startest.

Inhaltsverzeichnis

Die meisten Menschen in Deutschland lassen ihr Geld auf dem Girokonto liegen, weil ihnen die Börse zu kompliziert vorkommt. Dabei besteht der Einstieg aus drei Entscheidungen: Wo lege ich an, worin lege ich an und wie viel lege ich regelmäßig weg. Dieser Ratgeber beantwortet alle drei, mit konkreten Zahlen und ohne Fachjargon.

Was eine Aktie eigentlich ist

Eine Aktie ist ein Anteil an einem Unternehmen. Wenn ein Unternehmen an die Börse geht, teilt es sein Eigenkapital in viele kleine Stücke auf und verkauft sie. Wer ein Stück kauft, gehört zu den Eigentümern. Das ist kein Bild und keine Vereinfachung, sondern die juristische Realität: Aktionäre dürfen auf der Hauptversammlung abstimmen und haben Anspruch auf einen Anteil am Gewinn.

Für dich als Anleger ergeben sich daraus zwei Ertragsquellen:

Kursgewinne. Der Preis einer Aktie ergibt sich aus Angebot und Nachfrage. Verdient ein Unternehmen mehr Geld und trauen ihm Investoren künftig noch mehr zu, steigt der Kurs. Verkaufst du dann, gehört dir die Differenz.

Dividenden. Viele Unternehmen schütten einen Teil ihres Gewinns direkt an die Aktionäre aus. Das Geld landet als Zahlung auf deinem Verrechnungskonto, ohne dass du etwas verkaufen musst. Wie das genau funktioniert, steht im Ratgeber Dividenden erklärt.

Der Haken: Ein einzelnes Unternehmen kann scheitern. Es kann seinen Markt verlieren, sich verkalkulieren, betrügen oder von einem Konkurrenten überholt werden. Wenn du dein gesamtes Geld in eine Aktie steckst und dieses Unternehmen geht pleite, ist dein Geld weg. Genau hier setzt die zweite Bausteinidee an.

Was ein ETF ist und warum er den Einstieg vereinfacht

ETF steht für Exchange Traded Fund, also börsengehandelter Fonds. Ein Fonds ist ein Topf, in den viele Anleger einzahlen und der mit dem gesammelten Geld Wertpapiere kauft. Das Besondere an einem ETF: Er verfolgt keine eigene Meinung, sondern bildet einen Index nach.

Ein Index ist nur eine Liste mit Regeln. Der MSCI World zum Beispiel enthält die großen und mittelgroßen börsennotierten Unternehmen aus 23 Industrieländern, gewichtet nach ihrem Börsenwert. Ein ETF auf diesen Index kauft schlicht die Aktien dieser Liste in der passenden Gewichtung. Kein Fondsmanager muss bezahlt werden, keine Auswahl muss getroffen werden. Deshalb kostet ein solcher ETF meist zwischen 0,05 und 0,25 Prozent pro Jahr, während aktiv gemanagte Fonds häufig 1,5 Prozent oder mehr nehmen.

Kaufst du einen Anteil an einem Welt-ETF, besitzt du damit anteilig alle Unternehmen im Index. Ein einziger Kauf, hunderte oder tausende Firmen.

Wie viele Unternehmen stecken in einem Wertpapier?

Ungefähre Anzahl der enthaltenen Unternehmen. Die genauen Werte ändern sich, wenn der Index angepasst wird.

Der Unterschied zwischen einer Aktie und einem Weltindex ist nicht graduell, sondern grundsätzlich. Eine einzelne Firma kann verschwinden. Ein Index aus 1.400 Unternehmen kann das nicht, weil dafür die gesamte Weltwirtschaft ausfallen müsste. Verluste sind trotzdem möglich, aber sie sind zeitlich begrenzt, nicht endgültig.

Welche Indizes für den Anfang infrage kommen

Du musst nicht zwischen tausenden ETFs wählen. Für den Kern eines Depots reichen drei Kandidaten, und alle drei sind vertretbar.

Index Abdeckung Unternehmen Besonderheit
MSCI World 23 Industrieländer ca. 1.400 Der Klassiker, keine Schwellenländer enthalten
FTSE All-World Industrie- und Schwellenländer ca. 4.300 Eine Position, die praktisch die ganze Welt abdeckt
MSCI ACWI IMI Industrie- und Schwellenländer, auch kleine Firmen ca. 8.500 Breiteste Streuung, dafür etwas höhere Kosten
Breite Standardindizes für den Depotkern. Die Anteile verschieben sich laufend mit den Kursen.

Wichtig ist eine Eigenschaft, die viele Einsteiger überrascht: Diese Indizes gewichten nach Börsenwert. Große Unternehmen bekommen mehr Gewicht als kleine, große Länder mehr als kleine. In der Praxis führt das dazu, dass US-Unternehmen den größten Teil eines Welt-ETF ausmachen.

Regionale Aufteilung eines typischen Welt-ETF

Ungefähre Größenordnung. Die tatsächliche Gewichtung ändert sich täglich mit den Kursen und wird vom Indexanbieter regelmäßig angepasst.

Das ist kein Fehler im Index, sondern seine Logik: Der Index bildet ab, wo der Börsenwert der Welt tatsächlich liegt. Trotzdem solltest du wissen, dass ein Welt-ETF stark von der US-Wirtschaft abhängt. Wer das ausgleichen will, ergänzt Schwellenländer oder wählt gleich einen All-World-Index.

Worauf du beim konkreten ETF achtest

Auf einen Index gibt es oft ein Dutzend ETFs verschiedener Anbieter. Die Unterschiede sind kleiner, als die Auswahl vermuten lässt. Vier Kriterien reichen:

Kosten (TER). Die Total Expense Ratio ist die jährliche Verwaltungsgebühr, angegeben in Prozent des angelegten Kapitals. Sie wird nicht abgebucht, sondern täglich aus dem Fondsvermögen entnommen. Bei Welt-ETFs sind 0,10 bis 0,25 Prozent üblich.

Fondsvolumen. Ab etwa 100 Millionen Euro arbeitet ein ETF wirtschaftlich. Kleinere Fonds werden häufiger geschlossen oder zusammengelegt, was zwar kein Verlustrisiko bedeutet, aber Aufwand und unter Umständen eine ungeplante Besteuerung auslöst.

Ertragsverwendung. Thesaurierend bedeutet, dass Dividenden automatisch wieder angelegt werden. Ausschüttend bedeutet, dass sie dir überwiesen werden. Beides ist in Ordnung, siehe die Fragen am Ende dieses Ratgebers.

Replikationsmethode. Physisch replizierende ETFs kaufen die Aktien wirklich. Synthetische bilden den Index über ein Tauschgeschäft mit einer Bank ab. Für den Depotkern ist physisch die einfachere und transparentere Wahl.

Die ISIN ist dabei deine eindeutige Bestellnummer. Sie beginnt mit einem Länderkürzel, etwa IE für Irland, wo die meisten europäischen ETFs aufgelegt sind, und identifiziert genau ein Wertpapier. Wenn du einen ETF kaufst, suchst du im Depot nach dieser ISIN, nicht nach dem Namen.

Dein erstes Depot eröffnen

Ein Depot ist das Konto, in dem deine Wertpapiere liegen. Dazu gehört immer ein Verrechnungskonto, über das Käufe, Verkäufe und Ausschüttungen laufen. Die Eröffnung dauert bei den meisten Anbietern zwischen zehn Minuten und zwei Werktagen.

So läuft es ab:

  1. Anbieter wählen. Vergleiche Depotgebühr, Orderkosten und die Konditionen für Sparpläne. Für einen reinen ETF-Sparplan zählt vor allem, ob dein Wunsch-ETF kostenfrei besparbar ist.
  2. Antrag ausfüllen. Du brauchst Personalausweis, Steuer-Identifikationsnummer und ein Referenzkonto.
  3. Identität bestätigen. Per Video-Ident am Handy oder Post-Ident in der Filiale.
  4. Freistellungsauftrag einrichten. Ohne ihn führt die Bank ab dem ersten Euro Ertrag Steuern ab, obwohl dir 1.000 Euro pro Jahr steuerfrei zustehen. Details im Ratgeber Steuern auf Aktien und ETFs.
  5. Sparplan anlegen. ISIN eingeben, Betrag festlegen, Ausführungstag wählen, fertig.

Einmalanlage oder Sparplan

Ein Sparplan ist ein Dauerauftrag für Wertpapiere: Dein Broker kauft an einem festen Tag im Monat für einen festen Betrag Anteile, auch Bruchstücke. Steht der Kurs hoch, bekommst du weniger Anteile, steht er niedrig, bekommst du mehr.

Für Einsteiger spricht vor allem ein psychologischer Grund dafür: Du musst nie entscheiden, ob gerade ein guter Zeitpunkt ist. Diese Entscheidung ist die häufigste Ursache dafür, dass Menschen jahrelang gar nicht anfangen.

Hast du bereits einen größeren Betrag auf dem Konto, ist die Frage schwieriger. Rein rechnerisch hat die sofortige Einmalanlage im Schnitt die Nase vorn, weil das Geld länger investiert ist. Wer aber schlecht schläft, wenn das Depot direkt nach dem Kauf 20 Prozent im Minus steht, verteilt den Betrag besser über sechs bis zwölf Monate. Eine Strategie, die du durchhältst, schlägt eine, die auf dem Papier optimal ist.

150 Euro monatlich bei 7 Prozent Rendite pro Jahr

Modellrechnung mit monatlicher Einzahlung zu Monatsbeginn. Ohne Steuern und Kosten. Nach 25 Jahren stehen 45.000 Euro Einzahlungen rund 77.000 Euro Wertzuwachs gegenüber.

Die häufigsten Fehler am Anfang

Zu viele Positionen. Ein Welt-ETF reicht als Kern. Wer daneben noch fünf Themen-ETFs kauft, hat am Ende oft dieselben US-Technologiewerte dreifach im Depot und hält das für Streuung.

Auf den richtigen Moment warten. Es gibt immer ein Argument, noch zu warten. Wer 2020 wegen der Pandemie wartete, wartete 2022 wegen der Inflation und 2024 wegen der Bewertungen. Zeit im Markt ist wichtiger als der perfekte Einstieg.

Bei fallenden Kursen verkaufen. Ein Rückgang von 30 Prozent ist bei Aktien keine Ausnahme, sondern Teil der Sache. Wer dann verkauft, macht aus einem vorübergehenden Buchverlust einen echten.

Kein Notgroschen. Bevor du investierst, gehören drei bis sechs Monatsausgaben auf ein Tagesgeldkonto. Sonst musst du ausgerechnet dann Anteile verkaufen, wenn die Waschmaschine kaputtgeht und der Markt gerade unten steht.

Kosten ignorieren. Ein Prozent Gebühr klingt nach nichts. Über 30 Jahre frisst dieser eine Prozentpunkt einen erheblichen Teil des Endvermögens, wie die Rechnung im Ratgeber Rendite, Zinseszins und Risiko zeigt.

Ein einfacher Plan für die ersten zwölf Monate

Wenn du nach diesem Ratgeber eine konkrete Reihenfolge willst:

  1. Notgroschen auf ein Tagesgeldkonto legen, drei bis sechs Monatsausgaben.
  2. Teure Konsumschulden tilgen. Kein ETF liefert zuverlässig die Rendite, die ein Dispo an Zinsen kostet.
  3. Depot eröffnen und Freistellungsauftrag einrichten.
  4. Einen breiten Welt-ETF auswählen und einen Sparplan mit einem Betrag anlegen, der auch in einem schlechten Monat funktioniert.
  5. Zwölf Monate lang nichts ändern. Kein tägliches Nachschauen, kein Umschichten.
  6. Nach einem Jahr die Sparrate an dein Einkommen anpassen.

Der letzte Punkt ist der unterschätzte. Die Rendite kannst du nicht steuern, den Markt auch nicht. Deine Sparrate schon.

Häufige Fragen

Wie viel Geld brauche ich, um mit ETFs anzufangen?

Bei den meisten Brokern startet ein ETF-Sparplan ab 1 bis 25 Euro im Monat, oft sogar gebührenfrei. Für eine Einmalanlage reicht in der Regel der Preis eines einzelnen Anteils, also je nach ETF oft weniger als 100 Euro. Wichtig ist nicht die Höhe der ersten Rate, sondern dass du regelmäßig einzahlst und die Rate später erhöhst, wenn dein Einkommen steigt.

Was ist der Unterschied zwischen einem ETF und einem klassischen Fonds?

Ein klassischer aktiver Fonds wird von einem Fondsmanager gesteuert, der Aktien auswählt und dafür laufend Gebühren nimmt, häufig 1,5 Prozent im Jahr oder mehr. Ein ETF bildet dagegen einfach einen Index nach, etwa den MSCI World. Dadurch entfällt das teure Management und die laufenden Kosten liegen meist zwischen 0,05 und 0,25 Prozent im Jahr. Über lange Zeiträume macht dieser Kostenunterschied einen fünfstelligen Betrag aus.

Kann ein ETF pleitegehen?

Das Vermögen in einem ETF ist Sondervermögen. Es ist rechtlich vom Vermögen der Fondsgesellschaft getrennt und bleibt auch dann dein Eigentum, wenn der Anbieter insolvent wird. Das schützt dich allerdings nicht vor Kursverlusten: Fallen die enthaltenen Aktien, fällt auch der Wert deines ETF. Ein weltweit streuender ETF kann stark schwanken, aber er kann nicht wie eine einzelne Aktie auf null gehen.

Thesaurierend oder ausschüttend, was ist besser für Anfänger?

Ein thesaurierender ETF legt die Dividenden automatisch wieder an, ein ausschüttender zahlt sie auf dein Verrechnungskonto aus. Für den reinen Vermögensaufbau ist thesaurierend bequemer, weil du nichts selbst reinvestieren musst. Ausschüttend hilft dir, den Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro pro Jahr gezielt auszunutzen und macht den Ertrag sichtbar. Renditeunterschiede sind gering, die Entscheidung ist vor allem eine Frage der Bequemlichkeit.

Wie lange sollte ich einen ETF halten?

Als grobe Orientierung gelten mindestens zehn, besser fünfzehn Jahre. In diesem Zeitraum hatten breit streuende Aktienindizes historisch genug Zeit, zwischenzeitliche Einbrüche wieder aufzuholen. Geld, das du in den nächsten drei bis fünf Jahren sicher brauchst, etwa für ein Auto oder eine Kaution, gehört nicht in Aktien, sondern auf ein Tagesgeldkonto.

Was passiert mit meinem Depot, wenn mein Broker pleitegeht?

Deine Wertpapiere gehören dir, die Bank verwahrt sie nur. Bei einer Insolvenz werden sie auf ein Depot bei einer anderen Bank übertragen. Bargeld auf dem Verrechnungskonto ist davon getrennt zu betrachten: Es fällt unter die gesetzliche Einlagensicherung und ist bis 100.000 Euro pro Kunde und Bank geschützt.

Hinweis: Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und Bildung. Er stellt keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Alle Angaben, Renditen und Beispielrechnungen sind sorgfältig recherchiert, können sich jedoch ändern. Eine Gewähr für Aktualität, Richtigkeit und Vollständigkeit übernehmen wir nicht. Kapitalanlagen sind mit Risiken verbunden, bis hin zum Totalverlust.

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