ETF verkaufen: FIFO umgehen und weniger Steuer zahlen

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Du brauchst Geld aus dem Depot. Du verkaufst 50 Anteile deines Welt-ETF. Die Bank nimmt die Stücke, die am längsten liegen. Das ist FIFO: first in, first out.

Die ältesten Anteile haben am längsten Rendite gemacht. Mehr Gewinn, mehr Abgeltungsteuer, weniger Netto für denselben Verkauf.

Warum die alten Stücke teurer sind

Ein Beispiel ohne Teilfreistellung, nur zur Richtung: Du hast 2016 Anteile zu 80 Euro gekauft und 2024 weitere zu 140 Euro. Der Kurs steht bei 160 Euro. Verkaufst du jetzt, gehen zuerst die Stücke von 2016. Gewinn je Anteil: 80 Euro. Bei den jungen wären es 20 Euro.

Die Steuer lastet auf dem Gewinn, nicht auf dem Verkaufserlös. Für 10.000 Euro Bedarf musst du bei den alten Anteilen mehr Stücke verkaufen oder nimmst weniger mit, weil ein größerer Brocken an das Finanzamt geht.

Weg 1: mehrere ETFs, nacheinander

Stehst du noch am Anfang oder erst seit wenigen Jahren im Markt, kannst du FIFO umdrehen, ohne etwas zu übertragen. Du besparst nicht ewig dieselbe ISIN, sondern nacheinander verschiedene ETFs auf denselben Index.

Ein grobes Raster: zehn Jahre ETF A, zehn Jahre ETF B, zehn Jahre ETF C. Wenn du 2056 Geld brauchst, verkaufst du zuerst C, den jüngsten. A und B bleiben investiert. Aus FIFO im einzelnen Fonds wird praktisch LIFO über das Portfolio.

Die Zehnerschnitte sind kein Gesetz. Fünf-Jahres-Scheiben gehen auch. Entscheidend ist, dass du später eine jüngere ISIN hast, die du anfassen kannst, ohne die alten Gewinne zu heben.

Weg 2: alte Anteile ins Zweitdepot schieben

Liegst du schon lange in einem ETF, kommt der Übertrag. Auch beim Depotübertrag gilt FIFO: Die Bank schickt zuerst die ältesten Anteile.

Ablauf:

  1. Ausrechnen, wie viele Anteile du verkaufen willst.
  2. Genau diese Zahl im ersten Depot lassen.
  3. Den Rest, also die alten Stücke, ins zweite Depot übertragen.
  4. Im ersten Depot die verbliebenen, jüngeren Anteile verkaufen.

Beim nächsten Entnehmen drehst du die Richtung: von Depot 2 zurück auf Depot 1, wieder die Alten rüberschieben, die Jungen verkaufen.

Wann sich der Aufwand lohnt

Bei ein paar hundert Euro Verkauf und kleinem Gewinn: Finger weg, Freistellungsauftrag reicht. Bei einer Entnahme von mehreren tausend Euro aus einem Depot, das zehn oder zwanzig Jahre gelaufen ist, wird der Unterschied sichtbar.

Plane den Übertrag Wochen vorher. Sparpläne auf die betroffene ISIN vorher stoppen. Nach dem Verkauf den Sparplan auf dem Depot neu setzen, das du weiter besparst.

Wie du das entnommene Geld über Jahre streckst, steht in Entnahmestrategien. Die Steuerregeln dahinter in Steuern auf Aktien und ETFs.

Häufige Fragen

Kann ich beim Verkauf auswählen, welche ETF-Anteile weggehen?

Nein. Bei derselben ISIN im selben Depot gilt FIFO. Die Bank nimmt die ältesten Anteile. Du kannst das nicht im Orderfenster umstellen.

Was ist der Unterschied zwischen FIFO und LIFO?

FIFO verkauft die ältesten Stücke zuerst. LIFO würde die jüngsten zuerst nehmen. Steuerlich willst du oft LIFO, weil die jungen Anteile weniger Kursgewinn haben. Das Gesetz gibt dir FIFO. Die Tricks unten erzeugen praktisch LIFO, ohne das Gesetz zu ändern.

Löst ein Depotübertrag Steuern aus?

Nein, solange du die Anteile nur die Verwahrstelle wechselst und nicht verkaufst. Anschaffungsdaten müssen mitwandern. Details im Ratgeber Depotübertrag.

Funktioniert der Trick auch bei Einzelaktien?

Ja, FIFO gilt für Wertpapiere allgemein. Bei Einzelaktien ist der Effekt oft kleiner, weil du seltener denselben Titel über Jahrzehnte nachkaufst. Bei einem ETF-Sparplan über 20 Jahre ist der Unterschied groß.

Muss ich drei verschiedene ETFs kaufen?

Nein. Drei Tranchen à zehn Jahre sind ein Vorschlag, wenn du noch am Anfang stehst. Du kannst kürzere Scheiben nehmen, etwa alle fünf Jahre einen anderen ETF auf denselben Index. Wichtig ist: getrennte ISIN, damit du später die jüngere Scheibe verkaufen kannst.

Hinweis: Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und Bildung. Er stellt keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Alle Angaben, Renditen und Beispielrechnungen sind sorgfältig recherchiert, können sich jedoch ändern. Eine Gewähr für Aktualität, Richtigkeit und Vollständigkeit übernehmen wir nicht. Kapitalanlagen sind mit Risiken verbunden, bis hin zum Totalverlust.

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