Der Zinskampf: Trading 212 erhöht auf 4,20 %

Trading 212 zieht bei den Cash-Zinsen nach. Für nicht investiertes Euro-Guthaben stehen jetzt 4,20 % p. a. in den ersten vier Monaten und danach 2,80 % p. a. in den Konditionen.
Damit rückt der Broker wieder in die Nähe von Revolut und Chase (J.P. Morgan SE). Beide locken Neukunden ebenfalls mit Vier-Prozent-Aktionen - und genau dort spielt der Zinskampf gerade.
Der Haken sitzt nicht in der großen Zahl auf dem Plakat. Er sitzt in der Struktur: Aktion gegen Anschlusszins, und Broker-Cash gegen Bank-Tagesgeld.
Warum Trading 212 jetzt nachzieht
Revolut wirbt mit bis zu 4,25 % für vier Monate. Chase von J.P. Morgan SE hält bei 4,00 % für denselben Zeitraum. Wer als Neobroker mit 0 € Ordergebühren Kunden holen will, kann bei Cash nicht dauerhaft zurückbleiben.
Trading 212 antwortet mit einem ähnlichen Muster: hoher Einstieg, dann ein niedrigerer, aber noch spürbarer Anschlusszins. Uninvestiertes Geld soll nicht tot auf dem Verrechnungskonto liegen, während die Konkurrenz auf dem Smartphone blinkt.
Für dich heißt das erstmal nur: Die Zahl ist wieder konkurrenzfähig. Ob sie für dein Setup sinnvoll ist, entscheidet der Feindruck.
Was die großen Zahlen wirklich vergleichen
Auf dem Papier liegen die Aktionszinsen nah beieinander. In der Praxis sind es drei unterschiedliche Produkte.
| Anbieter | Aktion | Danach | Typische Einschränkung |
|---|---|---|---|
| Trading 212 | 4,20 % / 4 Monate | 2,80 % | Broker-Cash, Aktivierung nötig |
| Revolut | 4,25 % / 4 Monate | oft 1,25-2,50 % | Giro, Kartenpflicht, oft Cap |
| Chase | 4,00 % / 4 Monate | 2,00 % | Bank-Tagesgeld, DE-Einlagensicherung |
Revolut liegt bei der Überschrift vorn, bindet den Top-Zins aber an Nutzung: Girokonto, Kartentransaktionen und in der Regel ein Deckel um die 25.000 Euro. Chase verzichtet auf solche Spielchen und liefert dafür klassisches Bank-Tagesgeld mit deutscher Einlagensicherung - nach der Aktion aber nur noch 2,00 %.
Trading 212 steht dazwischen. Der Anschlusszins von 2,80 % schlägt Chase nach Monat vier klar. Der Preis dafür ist ein anderes Produkt: keine reine Bankeinlage, sondern Verzinsung von Barmitteln über Banken und Qualifying Money Market Funds: Geldmarktfonds, in die Broker Cash parken dürfen; kein klassisches Giroguthaben..
Der kritische Punkt: Aktion ist Marketing, Anschluss ist Realität
Vier Monate 4,20 % klingen stark. Auf 10.000 Euro sind das grob rund 140 Euro Jahreszins hochgerechnet - aber nur, wenn der Satz das ganze Jahr hielte. Nach dem Aktionsfenster greift 2,80 %. Über zwölf Monate liegt der effektive Mix dann näher an knapp unter 3,3 %, wenn du das Geld durchgehend liegen lässt.
Bei Chase sieht die Rechnung nach demselben Muster niedriger aus, weil der Anschlusszins bei 2,00 % liegt. Bei Revolut hängt der Folge-Zins am Abo und an den Bedingungen. Wer den Top-Satz will, muss das Produkt mitbenutzen - sonst fällt der Zins schneller als die Werbung nahelegt.
Deshalb lohnt der Blick hinter die Kampagne. Wer Cash nur vier Monate parkt und dann investiert, kann mit dem Aktionszins leben. Wer einen dauerhaften Parkplatz sucht, sollte den Anschlusszins und die Produktart höher gewichten als die große Zahl auf dem Banner.
Broker-Cash ist kein Bank-Tagesgeld
Trading 212 ist in erster Linie ein Broker. Die Verzinsung greift auf nicht investiertes Guthaben, muss aktiviert werden und folgt dem, was Banken und Geldmarktfonds aktuell hergeben. Die Sätze sind variabel. Ändert sich das Zinsumfeld, kann der Satz folgen - nach oben und nach unten.
Chase dagegen ist Bankgeschäft von J.P. Morgan SE. Dort zählt die deutsche Einlagensicherung bis 100.000 Euro plus freiwillige Absicherung. Revolut hat bei neuen Tagesgeldkonten zuletzt ebenfalls stärker auf deutsche Partnerbanken und Einlagensicherung gesetzt. Das ist kein Detail für Juristen. Für den Notgroschen ist die Frage, was bei einer Schieflage passiert, oft wichtiger als 20 Basispunkte Unterschied.
Wer die Einordnung für den Notgroschen nachlesen will: Notgroschen auf Tagesgeld.
Was Trading 212 trotzdem stark macht
Trotz der Kritik am Marketing bleibt der Anschlusszins von 2,80 % ein handfester Pluspunkt. Er liegt spürbar über vielen Bestandskunden-Sätzen am Markt. Und das Geld sitzt dort, wo du ohnehin handeln oder per Sparplan investieren kannst.
Das passt, wenn Cash nur die Zwischenstation ist - etwa vor dem nächsten ETF-Kauf oder als Puffer neben dem Depot. Es passt schlechter, wenn du den gesamten Sicherheitsbaustein nur wegen einer Aktionszahl umziehen willst.
Genau deshalb lohnt der Blick auf das Gesamtpaket: Orderkosten, Sparpläne, Steuerabwicklung, App und Zinsen zusammen. Den Überblick dazu gibt unser Depot-Vergleich, in dem Trading 212 aktuell vorne liegt.
Was das für dich heißt
- Brauchst du Cash nur kurz und investierst danach, ist ein hoher Aktionszins ein netter Bonus. Er ersetzt keine Anlageentscheidung.
- Willst du Geld länger parken, zählt der Anschlusszins stärker. Hier ist Trading 212 mit 2,80 % gegen Chase mit 2,00 % klar im Vorteil.
- Für den echten Notgroschen bleibt Bank-Tagesgeld mit klarer Einlagensicherung oft die sauberere Lösung. Broker-Cash ist praktischer fürs Investieren, nicht automatisch besser fürs Absichern.
Revolut, Chase und Trading 212 kämpfen gerade um uninvestiertes Geld. Das ist gut für dich als Kunde - solange du die Aktion nicht mit dem Produkt verwechselst.
Weitere Tools: Depot-Vergleich · Welches Depot passt zu mir? · Zinseszinsrechner · Notgroschen auf Tagesgeld
