• Anlegerwissen
  • Aktienbewertung
  • Kennzahlen
  • Langfristanlage

Sechs Kennzahlen in 15 Minuten: So analysierst du Aktien!

Eine Stoppuhr neben Finanzkennzahlen auf einem Notizblock

Mit sechs Kennzahlen und 15 Minuten bekommst du eine tragfähige Erstmeinung zu einer Aktie. Mehr braucht es für den Filter am Anfang nicht.

Der Kern ist die Reihenfolge: erst Qualität und Stabilität, dann der Preis. So sortierst du Lärm aus und vergleichst sinnvoll innerhalb der Branche.

Der Haken: Ein paar Kennzahlen lassen sich schönrechnen. Fremdkapital kann den ROE aufpumpen, eine hohe Dividendenrendite ohne freien Cashflow ist hohl. Genau hier trennt der Schnelltest.

15 Min.SchnelltestErstbewertung
6KernkennzahlenQualität · Stabilität · Preis
20 %ROE-Beispiel100/500 Mio.
2Nettoschulden/operativer CashflowBeispielwert

Drei Leitfragen statt Kennzahlen-Zoo

  • Wie profitabel ist das Geschäft? Operative Marge und ROE zeigen, was vom Umsatz hängen bleibt und wie effizient das Kapital arbeitet.
  • Wie robust ist es finanziert? Nettoschulden im Verhältnis zur Ertragskraft zeigen den Puffer.
  • Was kostet das Ganze? KGV/KUV ordnen den Preis im Branchenkontext ein.

Wer so sortiert, vergleicht Software nicht mit Versorgern, sondern jeweils im eigenen Umfeld.

Die sechs Größen, die den Kern abdecken

Bewertung: KGV und KUV. KGV ist der Preis pro Gewinn; KUV hilft, wenn Gewinne noch schwanken. Beide sagen isoliert wenig - im Branchenvergleich gewinnen sie Aussagekraft, insbesondere zusammen mit den Margen.

Profitabilität: Die operative Marge zeigt, wie viel vom Umsatz als operativer Gewinn bleibt. Eine Marge von 20 % ist in vielen reifen Qualitätsgeschäften ein Wort, entscheidend ist der Trend über Jahre.

Kapitalrendite: ROE misst den Gewinn auf das Eigenkapital. Ein ROE von 20 % wirkt stark - solange er nicht nur durch wenig Eigenkapital oder hohe Schulden entsteht.

Finanzierung: Nettoschulden zu operativem Cashflow oder zur Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen. zeigen, wie oft die laufende Ertragskraft nötig wäre, um die Nettoschulden zu tilgen. Ein Verhältnis von 2 ist solide, zyklische Geschäfte brauchen mehr Puffer.

Ausschüttung: Die Dividendenrendite ist nur so gut wie ihre Basis. Eine Rendite von 4 % ist interessant - wenn sie durch den freien Cashflow gedeckt ist. Sonst ist sie ein Strohfeuer. Wer das nachrechnen will, nimmt den Dividendenrechner.

Zur Einordnung: Qualität (Marge, ROE), Stabilität (Umsatz- und Gewinnpfad, Cashflows) und Preis (KGV/KUV im Vergleich) gehören zusammen. Fehlt ein Baustein, ist die Aussage lückenhaft.

Der 15-Minuten-Ablauf

  • Verstehen: Was wird verkauft, wo entsteht die Marge, gibt es wiederkehrende Erlöse und Preissetzungsmacht?
  • Stabilität prüfen: Umsatz und Gewinn über fünf Jahre - glatter Pfad oder Zickzack?
  • Qualität messen: Operative Marge und ROE - stabil oder steigend?
  • Finanzierung checken: Nettoschulden im Verhältnis zur Ertragskraft - tragbar?
  • Preis einordnen: KGV/KUV im Branchenrahmen - passt der Multiple zum Wachstumstempo?
  • Sicherheitsmarge: Einen Puffer einplanen, damit kleine Enttäuschungen den Case nicht kippen.

Das ist kein Ersatz für die tiefe Analyse - aber ein verlässlicher Filter, bevor du Stunden investierst.

Was Daumenregel Warum es zählt
KGV/KUV im Branchenrahmen relativ, nicht absolut Preis zum Wachstum einordnen
Operative Marge stabil/steigend Preissetzungsmacht und Effizienz
ROE hoch, ohne Hebeltricks Kapitalallokation und Wettbewerbsvorteil
Nettoschulden zu OCF/EBITDA tragbar Puffer für schwierige Phasen
Dividende vs. freier Cashflow gedeckt Nachhaltigkeit der Ausschüttung
Erstprüfung in 15 Minuten - Auswahl

Billig ist nicht automatisch günstig

Niedrige Multiples können echte Probleme spiegeln: schrumpfender Markt, schwaches Produkt, Klagerisiken. Hohe Multiples können berechtigt sein, wenn ein Unternehmen über Jahre hohe Margen und Renditen verteidigt.

Deshalb gilt: erst die Qualität und Stabilität prüfen, dann den Preis. Umgekehrt ist es Spekulation mit besserer Story.

Typische Fallen - und wie du sie umgehst

  • ROE ohne Kontext: Ein hoher ROE mit hauchdünnem Eigenkapital ist optisch schön, operativ aber nicht zwingend besser. Prüfe die Verschuldung dazu.
  • KUV ohne Marge: Viel Umsatz hilft wenig, wenn die operative Marge nicht mitwächst. Erst mit Margentrend wird das KUV sinnvoll.
  • Dividenden ohne Deckung: Eine hohe Rendite ohne freien Cashflow ist unsicher. Der freie Cashflow ist der Überschuss nach Investitionen - also das, was wirklich verteilt werden kann. Die Operativer Cashflow minus Investitionen (Capex).-Deckung ist Pflicht.
  • Querbeet-Vergleiche: Banken, Software, Versorger und Chemie leben in unterschiedlichen Bewertungswelten. Vergleiche innerhalb der Peergroup.

Disziplin hilft hier mehr als Bauchgefühl. Wer unsichere Phasen nüchtern aushält, bleibt bei seiner Methode - unser Leitfaden zu Schwankungen aushalten passt dazu.

Für dich: ein kleines System, das du wiederholst

Schreibe deine Mindestkriterien auf: Gewinne positiv, Verschuldung tragbar, Marge stabil, ROE nicht nur durch Hebel hoch, Bewertung im Branchenrahmen. Lege eine Preisspanne fest, in der Qualität und Preis zusammenpassen.

Formuliere deine These in einem Satz: Wodurch verdient die Firma in drei bis fünf Jahren mehr? Konkrete Treiber schlagen Wunschdenken. Und setze dir Review-Termine - alle sechs bis zwölf Monate reicht, um Annahmen und Zahlen zu prüfen.

Woran man es merken wird

Suche dir heute ein Unternehmen aus, gehe die sechs Punkte in 15 Minuten durch und notiere die Ergebnisse auf einer Seite. Der nächste Prüfstein ist der eigene Review in sechs bis zwölf Monaten: Hat sich Marge, ROE, Verschuldung und Bewertung wie erwartet entwickelt - oder ändert sich deine These?

Weitere Tools: ETF-Rechner · Dividendenrechner · Zinseszinsrechner

← Alle Artikel

Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Alle Angaben, Renditen und Beispielrechnungen sind sorgfältig recherchiert, können sich jedoch ändern – eine Gewähr für Aktualität, Richtigkeit und Vollständigkeit können wir nicht übernehmen. Kapitalanlagen sind mit Risiken verbunden, bis hin zum Totalverlust. Aktien4future bietet keine Anlageberatung.

Bleib auf dem Laufenden

Die besten Tipps, Analysen und Updates von Aktien4future – direkt in dein Postfach. Kostenlos und jederzeit abmeldbar.

Mehr zum Newsletter erfahren