Worum es geht
Kapitalerträge werden in Deutschland pauschal besteuert, nicht mit deinem persönlichen Steuersatz. Das macht die Regeln übersichtlicher, als viele denken. Die Bank führt die Steuer automatisch ab, und wer die wenigen Stellschrauben kennt, zahlt unterm Strich deutlich weniger.
Die wichtigste Stellschraube ist der Freistellungsauftrag, die zweitwichtigste die Wahl zwischen ausschüttend und thesaurierend. Beim Verkauf spielt die FIFO-Regel eine Rolle, und wer angestellt ist, sollte zusätzlich wissen, was vom Gehalt übrig bleibt. Alles das steht in diesem Pfad in einer sinnvollen Reihenfolge.
Für wen: Für alle, die Wertpapiere besitzen oder kaufen wollen und wissen möchten, was am Ende netto bleibt und wie sie legal weniger Steuern zahlen.
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Pauschal statt persönlich
Auf Zinsen, Dividenden und Kursgewinne zahlst du keinen persönlichen Steuersatz, sondern pauschal 25 Prozent Abgeltungsteuer plus Solidaritätszuschlag. Zusammen sind das 26,375 Prozent, mit Kirchensteuer rund 28 Prozent. Die Bank führt sie automatisch ab.
Zu den Kapitalerträgen zählen Zinsen, Dividenden und Gewinne aus dem Verkauf von Aktien, Fonds und ETFs. Dein Arbeitseinkommen wird dagegen nach dem normalen Steuersatz versteuert. Für Anleger heißt das: Egal wie hoch dein Einkommen ist, auf Kapitalerträge zahlst du in der Regel denselben Satz. Was nach Abzug übrig bleibt, siehst du an einem Beispiel:
Was bleibt nach Steuern?
Gewinn eingeben, Anlageart wählen, Netto sehen.
Netto nach Steuern2.710 €
- Steuer inkl. Soli
- 290 €
- Effektiv auf den Gewinn
- 9,7 %
Ohne Kirchensteuer (dann rund 28 %) und ohne Verlustverrechnung. Der Freibetrag gilt nur mit Freistellungsauftrag.
Genauer rechnen: Ratgeber Steuern
Was die Bank für dich erledigt
Deutsche Banken und Broker führen die Steuer automatisch ab. Du musst dafür keine Erklärung abgeben, solange alle Erträge bei einem deutschen Institut anfallen. Bei ausländischen Brokern ist das anders: Dort musst du die Erträge selbst in der Steuererklärung angeben.
Bei Aktien-ETFs bleiben 30 Prozent der Erträge steuerfrei (Teilfreistellung). Deshalb liegt die effektive Steuer eher bei etwa 18,5 Prozent. Zusätzlich greift der Sparerpauschbetrag, wenn du ihn mit einem Freistellungsauftrag freigibst.
Kurz-Check Wie hoch ist die effektive Steuer auf Gewinne eines Aktien-ETFs ungefähr?
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Der einfachste Hebel: der Freistellungsauftrag
Bis zum Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro im Jahr (2.000 Euro bei Zusammenveranlagung) zahlst du keine Steuer auf Kapitalerträge. Aber nur, wenn deine Bank einen Freistellungsauftrag hat. Ohne ihn zieht sie Steuern ab, die du dir mühsam zurückholen musst. So verteilst du den Freibetrag sinnvoll:
Freistellungsauftrag verteilen
Du hast mehrere Banken? Verteile den Pauschbetrag und achte darauf, ihn nicht zu überschreiten.
Noch frei0 €
- Verteilt
- 1.000 €
- Steuerersparnis bei voller Nutzung
- 264 €
Perfekt ausgeschöpft.
Genauer rechnen: Ratgeber Freistellungsauftrag
Prüfe einmal im Jahr, ob die verteilten Beträge zu deinen tatsächlichen Erträgen passen. Hat ein Konto kaum Zinsen, ein anderes aber viele Dividenden, verschiebst du den Freibetrag dorthin. Ungenutzter Freibetrag verfällt am Jahresende, lässt sich aber teilweise über die Steuererklärung nachholen.
Tipp: Auch Kinder haben einen Freibetrag. Für ein Kinderdepot gilt ein eigener Sparerpauschbetrag. Das lohnt sich vor allem, wenn Großeltern oder Eltern Geld für die Kinder anlegen.
Kurz-Check Du hast drei Banken. Wie viel Freistellungsauftrag darfst du insgesamt vergeben?
03
FIFO: Erst raus, was zuerst rein kam
Verkaufst du Teile eines Bestands, gilt die FIFO-Regel: Die zuerst gekauften Anteile gelten als zuerst verkauft. Weil ältere Anteile oft günstiger gekauft wurden, ist der steuerpflichtige Gewinn dann besonders groß. Der Unterschied lässt sich gut nachrechnen:
Welche Anteile verkaufst du wirklich?
Du hast in drei Runden gekauft. Beim Verkauf gilt: zuerst raus, was zuerst rein kam.
Gewinn beim Verkauf (FIFO)700 €
Gekauft zu 50 €Gekauft zu 80 €Gekauft zu 100 €Umrandet = verkauft
- Steuer ohne Freibetrag
- 185 €
- Gewinn, wenn die teuersten zuerst gingen
- 200 €
FIFO ist Pflicht: Du kannst die Reihenfolge nicht wählen. Plane große Verkäufe deshalb so, dass der Gewinn zum Freibetrag passt.
Beispiel mit einer Einzelaktie ohne Teilfreistellung.
Genauer rechnen: Ratgeber ETF verkaufen und FIFO
Teilverkäufe gut planen
Wer über mehrere Jahre verkauft, nutzt jedes Jahr den Freibetrag neu. Bei einem hohen Gewinn kann es günstiger sein, ihn in Stufen zu realisieren, statt alles auf einmal zu verkaufen.
Beim Depotwechsel gilt: Lass die Anteile übertragen statt zu verkaufen. Ein Depotübertrag ist in der Regel steuerneutral, die Anschaffungskosten wandern mit. Bei Verkauf und Neukauf löst du dagegen Steuern aus.
Das beeinflusst, wie du große Verkäufe planst. Wer mehrere Jahre verteilt verkauft, kann den Freibetrag jedes Jahr neu nutzen. Auch ein Depotwechsel will vorbereitet sein, damit du nicht aus Versehen verkaufst.
Vorsicht: Nicht nur wegen der Steuer umschichten. Ein Wechsel in einen anderen ETF löst einen Verkauf aus. Die Steuer, die dabei anfällt, holt ein etwas günstigerer Fonds oft nicht mehr herein.
Kurz-Check Du verkaufst einen Teil deines Sparplan-Bestands. Welche Anteile gelten als zuerst verkauft?
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Im Job zählt dein Netto
Für deine Sparrate zählt nicht das Brutto, sondern was nach Steuern und Sozialabgaben bleibt. Wer sein Netto kennt, plant seine Sparquote realistisch und sieht, wie sich Zuschüsse und Vorsorge auswirken. Dein Netto rechnet unser Brutto-Netto-Rechner aus.
Auch die Altersvorsorge hat einen Steuereffekt. Wie stark Zulagen und Steuervorteile greifen, hängt von Einkommen und Familie ab.
Auch über den Arbeitgeber lässt sich steuerlich sparen. Bei der Entgeltumwandlung zahlst du Beiträge aus dem Bruttogehalt, hast dadurch weniger Steuern und Sozialabgaben und trotzdem Geld in deiner Vorsorge. Ein Geschenk ohne Haken ist das nicht, denn Auszahlungen sind später steuerpflichtig, aber es erhöht deine Sparfähigkeit. Wie viel Förderung bei dir möglich ist, zeigt der Altersvorsorgedepot-Rechner.
Die Steuererklärung nicht auslassen
Auch wenn die Bank alles abführt, kann sich eine Erklärung lohnen: Wurde zu viel Steuer abgezogen oder war der Freistellungsauftrag zu klein, holst du dir über die Anlage KAP Geld zurück. Liegt dein persönlicher Steuersatz unter 25 Prozent, prüft das Finanzamt außerdem, ob der niedrigere Satz günstiger für dich ist.
Kurz-Check Welche Zahl ist für deine Sparrate die wichtigste?
Das bleibt hängen
- 26,375 % Abgeltungsteuer plus Soli mit Kirchensteuer rund 28 %
- 1.000 € Sparerpauschbetrag pro Person und Jahr 2.000 € bei Zusammenveranlagung, nur mit Freistellungsauftrag
- ca. 18,5 % effektive Steuer bei Aktien-ETFs 30 % der Erträge bleiben durch die Teilfreistellung steuerfrei
- ≈ 11.000 € Vorteil des Steuerstundungseffekts bei 10.000 € über 30 Jahre, wenn du Steuern erst am Ende zahlst
Glossar
Die wichtigsten Begriffe
- Abgeltungsteuer
- Die pauschale Steuer von 25 Prozent auf Kapitalerträge. Mit Solidaritätszuschlag sind es 26,375 Prozent.
- FIFO
- First In, First Out: Beim Verkauf werden zuerst die ältesten Anteile veräußert.
- Freistellungsauftrag
- Die Anweisung an deine Bank, Kapitalerträge bis zu einem Betrag nicht zu besteuern. Ohne ihn wirkt der Sparerpauschbetrag nicht automatisch.
- NV-Bescheinigung
- Die Nichtveranlagungsbescheinigung vom Finanzamt: Bei sehr niedrigem Einkommen führt die Bank dann gar keine Abgeltungsteuer ab.
- Sparerpauschbetrag
- Der steuerfreie Betrag für Kapitalerträge: 1.000 Euro pro Person und Jahr, 2.000 Euro bei Zusammenveranlagung.
- Teilfreistellung
- Bei Aktienfonds und Aktien-ETFs bleiben 30 Prozent der Erträge steuerfrei, weil das Unternehmen vorher bereits Steuern gezahlt hat.
- Verlustverrechnungstopf
- Die Verlustkonten deiner Bank. Verluste werden dort gesammelt und mit späteren Gewinnen verrechnet.
- Vorabpauschale
- Eine jährliche Mindestbesteuerung bei thesaurierenden Fonds, berechnet aus Fondswert, Basiszins und einem Faktor.
Stand: 1. Oktober 2026 · Redaktion Aktien4future
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