Worum es geht
Altersvorsorge fühlt sich abstrakt an, bis du sie in Euro pro Monat übersetzt. Genau damit beginnt dieser Pfad: Wie viel brauchst du im Alter, wie viel kommt aus der gesetzlichen Rente, und welche Lücke bleibt?
Danach stehen zwei Wege nebeneinander. Das geförderte Altersvorsorgedepot bringt Zulagen und Steuervorteile, aber auch Regeln bei Kosten und Auszahlung. Der normale ETF-Sparplan ist flexibler. Welcher Weg besser ist, hängt von deinem Einkommen, deinen Kindern und deinem Alter ab, und darauf geben die Rechner in diesem Pfad eine Antwort mit deinen Zahlen.
Für wen: Für Berufstätige, die wissen wollen, wie viel sie sparen müssen, und für alle, die vor der Frage stehen, ob das Altersvorsorgedepot oder ein normaler ETF-Sparplan besser passt.
01
Die Zahl, die dir keiner nennt
Altersvorsorge fühlt sich abstrakt an, bis du sie in Euro pro Monat übersetzt. Die gesetzliche Rente ersetzt grob die Hälfte deines letzten Nettos. Deine genaue Zahl steht in der jährlichen Renteninformation. Die Differenz zu deinem Wunsch ist deine Lücke.
Die gesetzliche Rente ist ein Pfeiler, kein Komplettpaket. Sie ist für viele die größte Quelle im Alter, deckt aber selten den gewohnten Lebensstandard ab. Wer die Lücke früh kennt, hat Jahrzehnte Zeit, sie mit kleinen Beträgen zu schließen. So sieht das über ein Berufsleben aus:
Mit deinen eigenen Zahlen wird daraus eine konkrete Summe. Trag ein, was du im Alter brauchst und was die Renteninformation verspricht:
Wie groß ist deine Rentenlücke?
In heutigen Preisen gerechnet. Die gesetzliche Rente steht in deiner Renteninformation.
Deine monatliche Lücke1.200 €
- Kapitalbedarf bei 4 % Entnahme
- 360.000 €
- Sparrate bei 30 Jahren
- 519 € im Monat
Faustformel: Kapital = Jahresbedarf × 25. Wer früher anfängt, braucht eine deutlich kleinere Rate.
Genauer rechnen: Zum Renten-Rechner
So findest du deine Zahlen
Die gesetzliche Rente steht in der Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung, die du jedes Jahr zugeschickt bekommst. Dein Wunscheinkommen schätzt du über deine heutigen Ausgaben: Was bleibt im Alter, was entfällt, was kommt hinzu? Miete oder Kredit, Gesundheit und Reisen sind die großen Posten.
Tipp: Rechne in heutigen Preisen. So behältst du ein Gefühl für die Größenordnung. Die Rendite im Rechner ist deshalb eine Rendite nach Inflation.
Kurz-Check Deine Lücke beträgt 1.400 € im Monat. Wie viel Kapital brauchst du nach der 4-Prozent-Regel?
02
Förderung: ein Geschenk mit Kleingedrucktem
Ab 2027 soll das Altersvorsorgedepot das Riester-Modell im Neugeschäft ablösen. Geplant sind staatliche Zulagen und Steuervorteile. Die Details sind noch nicht final, deshalb lohnt der Blick auf das, was sich nicht ändert: Kosten und Regeln.
540 € maximale Grundzulage pro Jahr im Altersvorsorgedepot, dazu bis zu 300 € je Kind (Stand der Planung)
Das Prinzip: Du zahlst ein, der Staat legt etwas dazu, und oft gibt es einen Steuervorteil. Dafür sind Auszahlung und Verfügbarkeit bei geförderten Produkten meist strenger geregelt als bei einem normalen Depot. Wer vor dem Rentenalter an sein Geld will, muss mit Nachteilen rechnen.
Zulagen sind nur dann ein Gewinn, wenn Gebühren und Einschränkungen sie nicht wieder auffressen. Wie stark Kosten über Jahrzehnte wirken, siehst du hier.
Was kosten dich Gebühren in 30 Jahren?
Zwei Fonds mit gleicher Marktrendite, nur die laufenden Kosten (TER) unterscheiden sich.
Unterschied nach 30 Jahren51.858 €
Fonds A (0,2 %) 234.581 €Fonds B (1,5 %) 182.722 €Jahre
- Eingezahlt
- 72.000 €
- Fonds A am Ende
- 234.581 €
- Fonds B am Ende
- 182.722 €
Die höheren Kosten fressen 22,1 % des möglichen Endvermögens.
Vereinfacht: Kosten werden als Abzug von der Jahresrendite gerechnet, vor Steuern.
Genauer rechnen: Ratgeber ETF-Kosten
Ob sich ein gefördertes Altersvorsorgedepot für dich lohnt, hängt von Einkommen, Familie und Laufzeit ab. Unser Rechner zeigt, was bei dir an Förderung herauskommt.
Kurz-Check Wann lohnt sich ein gefördertes Produkt?
03
Zeit schlägt Betrag
Wer früh anfängt, braucht für dasselbe Endvermögen eine viel kleinere Rate. Der Grund ist der Zinseszins: Die Erträge der ersten Jahre erwirtschaften später selbst Erträge. Was jedes Jahr Warten kostet, zeigt die Rechnung:
Was kostet dich jedes Jahr Warten?
Dieselbe Sparrate, dieselbe Rendite. Nur der Startpunkt ist ein anderer.
Wer mit 25 startet, hat mit der Rente681.048 €
Start mit 25 681.048 €Start mit 35 347.304 €Start mit 45 163.868 €Alter
- Start mit 35 (zehn Jahre später)
- 347.304 €
- Start mit 45 (zwanzig Jahre später)
- 163.868 €
- Eingezahlt bei Start mit 25
- 151.200 €
Zehn Jahre später zu starten kostet 333.744 €, obwohl du nur 36.000 € weniger einzahlst.
Vor Steuern und Kosten, konstante Rendite.
Genauer rechnen: Zum Depot-Rechner nach Alter
Ein Rechenbeispiel: Wer mit 25 anfängt und 300 Euro im Monat bis 67 anlegt, zahlt 151.200 Euro ein. Wer mit 45 startet und denselben Betrag spart, zahlt nur 79.200 Euro ein, erreicht aber knapp ein Viertel des Kapitals.
Wenn du spät dran bist
Mit 45 oder 50 ist nichts verloren, aber die Strategie ändert sich. Du brauchst eine höhere Rate, solltest Förderung und Arbeitgeberzuschüsse konsequent nutzen und Boni oder Erbschaften einplanen. Jeder zusätzliche Euro pro Monat verkleinert die Lücke.
Heißt das, mit 45 ist es zu spät? Nein. Es heißt nur, dass die Rate höher ausfallen muss und jedes Jahr zählt. Je früher du startest, desto kleiner darf sie sein. Wie dein Depot im Vergleich zu Gleichaltrigen dasteht, ordnet unser Rechner ein.
Kurz-Check Wer mit 35 statt mit 25 startet und dieselbe Rate zahlt, hat mit 67 …
04
Wenn die Rente beginnt
Ab der Rente läuft die Rechnung rückwärts: Du verbrauchst Kapital. Wie lange es reicht, hängt von der Höhe der Entnahme, der Rendite in den ersten Jahren und der Steuer ab. Spiel das mit deinen Zahlen durch:
Wie lange reicht dein Kapital?
Du entnimmst jeden Monat einen festen Betrag, der Rest bleibt investiert.
Das Kapital reichtüber Alter 100
Kapital 345.296 €Alter
- Entnahmequote im ersten Jahr
- 4,2 %
- Kapital nach 25 Jahren
- 365.725 €
Über 4 % pro Jahr wird es knapp. Plane eine kleinere Entnahme oder mehr Kapital ein.
Konstante Rendite, keine Inflationsanpassung der Entnahme, vor Steuern.
Genauer rechnen: Ratgeber Entnahmestrategien
Vorsicht: Das Risiko vor der Rente senken. Wer mit 66 komplett in Aktien steckt, riskiert, dass ein Crash genau in die ersten Entnahmejahre fällt. Viele schichten deshalb in den Jahren davor etwas in sicherere Anlagen um.
Den Wechsel vorbereiten
Ein paar Jahre vor dem Rentenbeginn lohnt ein Plan: Wie viel Geld brauchst du in den ersten Jahren, und wo liegt es? Viele bauen einen Puffer aus ein bis zwei Jahresausgaben in sicheren Anlagen auf und lassen den Rest weiter arbeiten. So kannst du nach einem Crash erst entnehmen, wenn sich die Kurse erholt haben.
Auch Entnahmen werden versteuert. Bei Aktien-ETFs bleiben 30 Prozent der Erträge durch die Teilfreistellung steuerfrei, und der Freibetrag gilt jedes Jahr neu.
Praktisch heißt das: Du lässt dir per Auszahlplan jeden Monat einen festen Betrag aufs Girokonto überweisen. Die Bank verkauft dafür automatisch Anteile und rechnet die Steuer ab. So fühlt sich das Depot im Alter an wie eine zweite Rente.
Kurz-Check Dein Depot ist 300.000 € schwer. Was ist nach der 4-Prozent-Regel eine tragfähige Entnahme im Monat?
Das bleibt hängen
- ca. 50 % des letzten Nettos ersetzt die gesetzliche Rente grobe Orientierung, deine Zahl steht in der Renteninformation
- 540 € maximale Grundzulage pro Jahr im Altersvorsorgedepot dazu bis zu 300 € je Kind
- 25× Jahresbedarf als Kapital bei 4 % Entnahme 1.400 € Lücke im Monat entsprechen rund 420.000 €
- ab 2027 Start des Altersvorsorgedepots löst Riester im Neugeschäft ab, Details noch nicht final
Glossar
Die wichtigsten Begriffe
- 4-Prozent-Regel
- Eine Faustregel: Du entnimmst im ersten Jahr 4 Prozent des Depots und passt den Betrag später an die Inflation an. Das entspricht etwa dem 25-Fachen des Jahresbedarfs.
- Altersvorsorgedepot
- Ein staatlich gefördertes Wertpapierdepot für die Altersvorsorge, das ab 2027 die Riester-Rente im Neugeschäft ablösen soll.
- Entnahmephase
- Die Zeit, in der du vom Vermögen lebst, statt einzuzahlen. Sie stellt andere Anforderungen an das Depot als die Ansparphase.
- Grundzulage
- Staatlicher Zuschuss auf deine Eigenbeiträge, bis zu 540 Euro pro Jahr im Altersvorsorgedepot.
- Günstigerprüfung
- Das Finanzamt vergleicht automatisch, ob Zulage oder Steuerersparnis für dich höher ist, und gewährt den größeren Vorteil.
- Renditereihenfolge-Risiko
- Dieselbe Durchschnittsrendite kann reichen oder nicht, je nachdem, wann die schlechten Jahre kommen. Frühe Crashs in der Entnahme sind gefährlicher als späte.
- Rentenlücke
- Die Differenz zwischen deinem Wunsch-Einkommen im Alter und dem, was gesetzliche Rente und andere Quellen liefern.
- Vermögenswirksame Leistungen
- Ein Zuschuss des Arbeitgebers zum Vermögensaufbau, bis zu 40 Euro im Monat, den viele Beschäftigte nicht abrufen.
Stand: 1. Oktober 2026 · Redaktion Aktien4future
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