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Sollte man jetzt verkaufen? Marktupdate 27. September

Newsletter-Cover: Rekordhoch am Nasdaq, Angstzone beim Fear & Greed – verkaufen?

Hallo liebe Community, es ist eine seltsame Börse gerade. Der Nasdaq hat am Montag ein neues Rekordhoch markiert, der S&P 500 steht nur knapp darunter. Gleichzeitig notieren einige der solidesten Unternehmen der Welt auf Mehrjahrestiefs, die US-Anleihen erleben den heftigsten Ausverkauf seit fast 20 Jahren und überall liest man wieder vom großen Crash.

Die Frage, die uns diese Woche am häufigsten erreicht hat: Sollte man jetzt verkaufen? Wir haben sie an den Daten geprüft, nicht am Bauchgefühl. Die kurze Antwort: Der Markt ist nicht teuer, die Stimmung ist schlecht und genau dort, wo die Zinsen am stärksten drücken, liegen gerade die interessantesten Aktien.

Die Woche selbst endete versöhnlich. Der S&P 500 schloss Freitag bei 7.743 Punkten (+0,6 % zur Vorwoche), der Nasdaq bei 27.069 (+1,2 %). Der Dow beendete eine dreiwöchige Verlustserie, der DAX ebenfalls (+0,4 % auf 25.409).

19,2Forward-KGV S&P 500etwa Zehnjahresschnitt, Jahresstart ~22
37Fear & GreedAngstzone, Tief 27 am 16. Sep.
5,18 %US 10Y-RenditeHoch seit 2007, +20 bp in einer Woche
+29 %Gewinnwachstum Q3S&P 500, erwartet (FactSet)

Rekord beim Nasdaq, Angst bei den Anlegern, Renditen über 5 %. Wohin geht es nächste Woche?

Steigt oder fällt die Börse nächste Woche?

Tippe auf Steigen oder Fallen

Anleihen-Ausverkauf: 5,18 % und kein Crash

Das eigentliche Beben der Woche fand nicht am Aktienmarkt statt, sondern bei den Anleihen. Die zehnjährige US-Rendite stieg am Donnerstag zeitweise auf 5,22 %, den höchsten Stand seit 2007. In einer einzigen Woche kamen über 20 Basispunkte dazu, die 30-jährige Rendite steht so hoch wie seit 2004 nicht mehr.

Der Grund ist eine Mischung aus teurer Energie (Öl zeitweise wieder über 103 USD), robuster Konjunktur und hohen Staatsausgaben. Der Markt rechnet damit, dass die Inflation länger hoch bleibt und die Fed nach ihrer Erhöhung vom 16. September nachlegen muss.

Auch Europa bekommt das zu spüren. Die zehnjährige Bundrendite kletterte auf 3,31 %, ein 15-Jahres-Hoch. Das ist der Hintergrund für die Schwäche bei deutschen Immobilienwerten, zu der wir gleich kommen.

Und die Aktien? Die haben das erstaunlich gelassen genommen. Am Montag sprang der Nasdaq um +2,3 % auf ein Rekordhoch von 27.122 Punkten, angeführt von Meta (+12 % an einem Tag, nachdem der neue KI-Assistent Muse an die Spitze des US-App-Stores geklettert war) sowie Chipwerten wie Intel und Arm.

Ist der Markt überbewertet? Die Daten sagen nein

Das Forward-KGV des S&P 500 (Kurs geteilt durch die erwarteten Gewinne der nächsten zwölf Monate) liegt laut FactSet bei 19,2. Das ist ziemlich genau der Durchschnitt der letzten zehn Jahre. Zum Jahreswechsel lag es noch bei rund 22.

Der Index ist seitdem gestiegen und trotzdem günstiger geworden. Das klingt paradox, hat aber einen einfachen Grund: Die erwarteten Gewinne steigen schneller als die Kurse. Für das dritte Quartal rechnen Analysten inzwischen mit 29,1 % Gewinnwachstum, Ende Juni waren es noch 26,7 %. Normalerweise werden Schätzungen im Laufe eines Quartals nach unten korrigiert, diesmal ging es nach oben.

Dazu kommt die Stimmung. Der Fear & Greed Index fiel nach der Fed-Erhöhung auf 27 und steht aktuell bei rund 37, also mitten in der Angstzone. In einer echten Euphoriephase, wie sie vor großen Crashs typisch ist, würde man Werte über 75 erwarten (extreme Gier). Das letzte Mal, als die Stimmung so schlecht war, im Frühjahr, folgten danach mehrere neue Allzeithochs.

Wie weit ist die Rally gelaufen?

Seit dem Tief im Oktober 2022 hat der S&P 500 gut 116 % zugelegt. Das klingt nach viel. Im Vergleich zu den großen Bullenmärkten der letzten Jahrzehnte ist es aber eher die Mitte als das Ende.

1982-1987+229 %
fünf Jahre
1990-2000+417 %
Dotcom-Ära
2009-2020+400 %
bis Corona
seit Okt. 2022+116 %
läuft noch
Kursgewinn vom Tief bis zum Hoch, ohne Dividenden. Der aktuelle Lauf ist noch nicht abgeschlossen.

Beim Nasdaq ist der Vergleich zur Internet-Ära noch deutlicher. Seit dem Start von ChatGPT Ende 2022 hat sich der Index etwa auf das 2,4-Fache gesteigert. Von Ende 1994, als der Netscape-Browser erschien, bis zum Gipfel im März 2000 wurde es fast das Siebenfache. Und damals standen hinter vielen Kursen gar keine Gewinne, heute wachsen sie um fast 30 %.

Das ist kein Beweis, dass es weiter nach oben geht. Rücksetzer von 10 oder 20 % kommen auch in intakten Bullenmärkten regelmäßig vor. Aber die typischen Zeichen einer Blase, also extreme Bewertung und extreme Gier, sehen wir gerade nicht.

Vier Aktien, die die Zinsangst gerade günstig macht

Höhere Zinsen treffen nicht alle gleich. Am härtesten erwischt es Immobilienwerte, verschuldete Unternehmen und teure Wachstumsaktien. Genau dort finden sich gerade Qualitätsunternehmen, deren Kurse sich deutlich vom Geschäft entfernt haben. Jede der vier steht dabei an einer anderen Stelle im Zyklus.

McDonald'sMCD

Nahe Zweijahrestief. 50. Dividendenerhöhung in Folge.

Realty IncomeO

Fast −10 % in einem Monat. Rund 5,8 % Dividendenrendite.

ServiceNowNOW

+70 % seit April, aber über 40 % unter dem Hoch.

VonoviaVNA

Dreijahrestief bei 17,20 €. Über 7 % Dividendenrendite.

Aktie Kurs Bewertung Dividendenrendite Analysten-Ziel (Ø)
McDonald’s ~237 USD KGV ~18 (Gewinn 2026e) ~3,3 % 308-325 USD*
Realty Income ~57 USD ~13x AFFO 2026 ~5,8 % 68 USD
ServiceNow ~137 USD Forward-KGV ~30 keine 175 USD
Vonovia ~17 € ~8,5x FFO ~7,2 % 26,70 €
Die vier Kandidaten im Überblick, Stand 25./26. September 2026

* Jefferies und Morgan Stanley, jeweils vor dem Investorentag.

McDonald’s: tief in der Depressionsphase

Die Aktie hat in zwölf Monaten rund 18 % verloren und kostet mit etwa 237 USD so wenig wie vor zwei Jahren. Das US-Geschäft lief im zweiten Quartal schwach, das neue Sparmenü kam bei den Kunden nicht an. Den ersten Investorentag seit fast drei Jahren am Mittwoch quittierte der Markt mit weiteren −4 %.

Der Grund für das Minus: McDonald’s stellt seinen Franchisenehmern bis 2036 insgesamt 8,5 Mrd. USD an Unterstützung in Aussicht, über Mietnachlässe und direkte Investitionshilfen. Das kostet erst einmal Geld. Im Gegenzug soll die operative Marge bis 2030 von 46 % auf das Niveau von niedrigen bis mittleren 50 % steigen, getragen von effizienteren Abläufen und dem KI-System ArchIQ in den Restaurants.

Das Geschäft ist dabei alles andere als kaputt. Analysten erwarten für 2026 rund 5,5 % mehr Gewinn je Aktie, für 2027 rund 8 %. Und vor zehn Tagen hat McDonald’s die Dividende um 3,8 % auf 1,93 USD pro Quartal erhöht, zum 50. Mal in Folge. Damit ist der Konzern offiziell ein Dividendenkönig.

Das Risiko: Schwächelt der US-Konsument weiter, kann die Wende länger dauern, als der Investorentag verspricht. Die Stimmung könnte kaum schlechter sein. Genau deshalb steht McDonald’s bei mir ganz oben auf der Watchlist.

Realty Income: reine Zinsangst

Über 15.000 Immobilien in den USA und Europa, seit über 56 Jahren jeden Monat eine Dividende, gerade zum 136. Mal erhöht auf 0,2715 USD monatlich. Trotzdem hat die Aktie im letzten Monat rund 9 % verloren. Der Grund ist allein der Zins: Steigen die Renditen sicherer Anleihen, verlieren Dividendenwerte an Reiz und die Finanzierung neuer Käufe wird teurer.

Das Geschäft selbst läuft. Der operative Cashflow je Aktie (AFFO) stieg im zweiten Quartal um 3,8 %, die Jahresprognose wurde auf 4,44 bis 4,45 USD angehoben, das Investitionsziel auf 10 Mrd. USD. Neu ist ein Joint Venture über 6 Mrd. USD für Rechenzentren großer Cloud-Anbieter in Nord-Virginia. Damit hängt Realty Income plötzlich auch ein Stück am KI-Ausbau.

Bei rund 57 USD zahlst du etwa das 13-Fache des Cashflows und bekommst knapp 6 % Dividendenrendite. Ehrlicherweise: Realty ist keine Kursrakete, sondern ein Dividendenfels. Steigen die Zinsen weiter, kann auch der Kurs weiter fallen. Fällt die zehnjährige Rendite dagegen Richtung 4,5 %, hat die Aktie Luft nach oben.

Mehr dazu: Realty Income Aktie: Warum Zinsen oft mehr zählen als die Zahlen.

ServiceNow: die Depression liegt hinter uns

ServiceNow ist die Plattform, mit der große Konzerne ihre Arbeitsabläufe automatisieren. Anfang des Jahres herrschte Panik, dass KI genau dieses Geschäft auffrisst. Im April stand die Aktie bei rund 81 USD, zwei Drittel unter dem Allzeithoch. Selbst gute Quartalszahlen im ersten Quartal halfen damals nicht.

Dann kam das zweite Quartal. Die Abo-Umsätze wuchsen um 23 % (währungsbereinigt), die KI-Produkte haben bereits über 1 Mrd. USD Jahresvertragswert erreicht. KI frisst ServiceNow also nicht auf. ServiceNow verkauft KI. Seit dem Tief ist die Aktie um rund 70 % gestiegen und liegt mit etwa 137 USD trotzdem noch über 40 % unter dem Rekord. 32 Analysten sehen im Schnitt ein Kursziel von 175 USD.

Das Risiko: Mit einem Forward-KGV von rund 30 ist ServiceNow die teuerste der vier Aktien. Bei einer Enttäuschung geht es schnell zweistellig nach unten. Und wer auf Insider achtet: Die haben in den letzten 90 Tagen ausschließlich verkauft, zusammen rund 2,5 Mio. USD. Für mich steht die Aktie schon in der Hoffnungsphase, die schlimmste Stimmung ist vorbei.

Neu dabei: Vonovia, die deutsche Zinswette

Wer die Zinsangst auch im eigenen Land sucht, landet bei Vonovia. Die Aktie fiel am Donnerstag auf ein Dreijahrestief von 17,20 €, allein im letzten Monat ging es um fast 14 % nach unten. Goldman Sachs hat Anfang September auf Neutral abgestuft und das Ziel auf 21,20 € gesenkt.

Der Mechanismus ist derselbe wie bei Realty Income, nur mit mehr Hebel. Vonovia ist deutlich stärker verschuldet, deshalb treffen höhere Zinsen gleich doppelt: Die Refinanzierung wird teurer, und die Immobilien werden auf dem Papier weniger wert. Mit der Bundrendite auf einem 15-Jahres-Hoch ist das genau das Szenario, das gerade eingepreist wird.

Operativ sieht es ruhiger aus. Das bereinigte EBITDA stieg im ersten Halbjahr um 2,4 % auf 1,46 Mrd. €, getragen vom Mietgeschäft. In Deutschland fehlen Wohnungen, die Mieten steigen. Bei rund 17 € notiert die Aktie beim etwa 8,5-Fachen des operativen Ergebnisses (FFO) und bietet über 7 % Dividendenrendite. Die Analysten sehen im Schnitt 26,70 €.

Vonovia ist von den vier die riskanteste Wette auf fallende Zinsen. Steigt die Bundrendite weiter, hat die Aktie kaum Schutz nach unten. Dreht der Zins, reagiert sie wahrscheinlich am stärksten.

Mein Plan für die ETFs: dreifach nachkaufen, wenn es wehtut

Einzelaktien sind bei mir Beimischung, das Fundament sind breite ETFs wie der FTSE All-World oder der MSCI World. Und weil Rücksetzer garantiert kommen, habe ich dafür einen festen Plan statt Bauchgefühl.

Regel Was passiert
Basisrate 250 € fließen in den ETF, 250 € bleiben als Cash zurück
Nachkauf-Signal ETF 20 % oder mehr unter dem 52-Wochen-Hoch: 750 € statt 250 €
Gewinne mitnehmen Bei +50 / +100 / +150 % Buchgewinn 10 / 20 / 30 % verkaufen
Der Nachkauf-Plan am Beispiel von 500 € Sparrate im Monat

Die Idee dahinter: Du kaufst das Dreifache genau dann, wenn die Schlagzeilen am schlimmsten sind, also wenn es sich am unangenehmsten anfühlt, die Kurse aber am niedrigsten stehen. Die 50/50-Aufteilung ist nur ein Beispiel. Ich selbst investiere meist 80 bis 90 % der Sparrate direkt und halte nur etwa 10 % zurück.

Wichtig: Die 20-%-Regel gilt nur für sehr breite Aktien-ETFs, nicht blind für Einzelaktien. Dort kaufe ich nur nach, wenn die Gründe auch in den nächsten Quartalszahlen noch stimmen.

Damit du nichts rechnen musst, gibt es für Newsletter-Leser den Nachkauf-Rechner für ETFs. Sparrate und Abstand zum 52-Wochen-Hoch eingeben, und der Rechner sagt dir, ob diesen Monat Basisrate oder Nachkauf dran ist. Mit Stückzahl und Einstand rechnet er dir außerdem aus, wie viel du nach Regel drei verkaufen würdest.

Was nächste Woche zählt

Die kommende Woche ist vollgepackt, und fast alles dreht sich um die Frage, ob die Fed noch einmal erhöhen muss.

Tag Termin Warum wichtig
Dienstag JOLTS (offene Stellen, USA) Wie heiß ist der Arbeitsmarkt noch?
Mittwoch PCE-Inflation August, BIP Q2, ADP Das Lieblingsinflationsmaß der Fed
Mittwoch Micron, Quartalszahlen Test für die KI-Nachfrage bei Speicherchips
Donnerstag Nike und Accenture, Quartalszahlen Konsum und IT-Budgets
Freitag US-Arbeitsmarktbericht September Erwartet ~100.000 neue Stellen, Quote 4,2 %
Termine vom 28. September bis 2. Oktober 2026

Fällt die Inflation am Mittwoch höher aus als erwartet, dürften die Renditen weiter steigen und Titel wie Realty Income und Vonovia unter Druck bleiben. Kühlt der Arbeitsmarkt am Freitag spürbar ab, wäre das umgekehrt die beste Nachricht für genau diese Aktien.

Also: verkaufen oder nachkaufen?

Der Markt ist fair statt teuer bewertet, die Rally ist historisch gesehen eher in der Mitte als am Ende, und die Stimmung steckt trotz Rekordhoch in der Angstzone. Ein Rücksetzer kann trotzdem jederzeit kommen, vor allem wenn die Renditen weiter steigen. Wer einen Plan hat, muss davor aber keine Angst haben.

Den teuersten Satz an der Börse kenne ich aus eigener Erfahrung. Er lautet nicht “Ich habe zu früh gekauft”, sondern “Ich warte noch kurz”. Die größten Chancen fühlen sich fast nie nach Chance an. Entweder kommt es einem zu spät vor, oder man hat das Gefühl, in ein fallendes Messer zu greifen.

Das wars mit dem Newsletter. Wir wünschen euch noch einen schönen Sonntag und einen guten Start in die Woche!

Weitere Tools: Nachkauf-Rechner · ETF-Rechner · Dividendenrechner · Fear & Greed Index

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Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Alle Angaben, Renditen und Beispielrechnungen sind sorgfältig recherchiert, können sich jedoch ändern – eine Gewähr für Aktualität, Richtigkeit und Vollständigkeit können wir nicht übernehmen. Kapitalanlagen sind mit Risiken verbunden, bis hin zum Totalverlust. Aktien4future bietet keine Anlageberatung.

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