ETF-Kosten: TER, TD, Spread und was wirklich zählt
Inhaltsverzeichnis
Kosten sind die Rendite, die du sicher verlierst. Den Markt kannst du nicht festlegen, die Gebühr schon. Sparrate, Haltedauer und Kosten sind die drei Dinge, an denen du drehen kannst.
Die TER ist nur der sichtbare Teil
Die Total Expense Ratio steht im Factsheet. Sie ist die jährliche Verwaltungsgebühr. Ein Welt-ETF mit 0,12 Prozent TER zieht auf 10.000 Euro Fondsvermögen 12 Euro im Jahr ein, verteilt auf jeden Handelstag.
Du siehst diese 12 Euro nicht. Der Anteilsschein ist einfach etwas weniger wert, als er ohne Gebühr wäre.
| Produkt | TER grob | Was du dafür bekommst |
|---|---|---|
| Welt-ETF, physisch | 0,07-0,25 % | Indexnachbildung, kaum Management |
| Themen- oder Branchen-ETF | 0,20-0,60 % | Engerer Korb, oft höherer Spread |
| Aktiver Aktienfonds | 1,20-2,00 % | Fondsmanager, der den Index schlagen soll |
Ein aktiver Fonds muss jedes Jahr den Index plus seine Gebühr schlagen, nur um gleichauf zu liegen. Die meisten tun das über lange Zeiträume nicht. Deshalb ist der günstige Index-ETF für den Kern die einfachere Wette.
Tracking Difference: ob der Index wirklich ankommt
Die Tracking Difference (TD) ist die Abweichung zwischen Index-Rendite und ETF-Rendite. Die TER steht im Factsheet. Die TD siehst du im Rückspiegel: Index minus ETF, meist als Jahresdurchschnitt über mehrere Jahre.
Bei gut gemanagten Welt-ETFs liegt die TD oft nahe an minus TER, manchmal etwas besser, weil Wertpapierleihe einen Teil der Gebühr ausgleicht. Zwei ETFs auf denselben Index können trotz gleicher TER unterschiedlich tracken, etwa durch Sampling, Domizil oder Leihepolitik.
Vor dem Kauf lohnt ein Blick ins Factsheet oder auf Portalseiten wie justETF. Die Wertentwicklung der letzten drei Jahre ist dafür kein Ersatz.
Spread und Handelskosten
Beim Kauf und Verkauf kommen noch:
Spread. Die Lücke zwischen Kauf- und Verkaufskurs. Bei großen ETFs klein, bei exotischen größer.
Ordergebühr. Manche Broker nehmen einen festen Betrag pro Kauf. Bei einem Sparplan über 50 Euro sind 1,50 Euro drei Prozent, bevor der ETF arbeitet.
Wechselkurs. Kauft der Broker in einer anderen Währung, kann ein Aufschlag draufkommen. Für den typischen in Euro notierten Welt-ETF ist das selten das Hauptproblem.
Was 1,3 Prozentpunkte über 30 Jahre kosten
200 Euro im Monat, 7 Prozent Rendite vor Kosten, 30 Jahre. Einmal 0,20 Prozent TER, einmal 1,50 Prozent wie bei manchen aktiven Fonds.
Modellrechnung, 7 Prozent vor Kosten, Kosten jährlich abgezogen, ohne Steuern. Die Lücke von rund 49.000 Euro entsteht nur durch den Gebührenunterschied.
Rund 49.000 Euro Unterschied, und die Gebühr taucht auf keinem Kontoauszug auf.
Was du am Anfang brauchst
Für den Depotkern reicht: breiter Index, physische Replikation, TER im unteren Bereich der Welt-ETF-Spanne, Tracking Difference in der Nähe der TER, Volumen klar über 100 Millionen Euro, Sparplan ohne Ausführungsgebühr.
Wie der Sparplan danach läuft, steht im Ratgeber ETF-Sparplan. Warum die gesparte Gebühr so lange wirkt, in Rendite und Zinseszins.
Häufige Fragen
Was ist die TER?
Die Total Expense Ratio ist die laufende Gebühr des Fonds, angegeben in Prozent des Fondsvermögens pro Jahr. Sie deckt Verwaltung, Indexlizenz und laufenden Betrieb. Sie steht im Factsheet und liegt bei breiten Welt-ETFs meist zwischen 0,07 und 0,25 Prozent. Ein aktiver Fonds mit 1,5 Prozent TER muss jedes Jahr deutlich besser sein als der Index, nur um gleichauf zu liegen.
Warum sehe ich die Gebühr nicht auf dem Konto?
Weil sie nicht als Lastschrift kommt. Die Fondsgesellschaft entnimmt sie anteilig aus dem Fondsvermögen. Der Rücknahmepreis wächst dadurch etwas langsamer, als der Index selbst. Du merkst es nur im Vergleich, nicht als einzelne Buchung.
Was ist der Spread?
Der Spread ist die Differenz zwischen An- und Verkaufskurs. Kaufen ist etwas teurer, verkaufen etwas günstiger als der mittlere Preis. Bei großen Welt-ETFs ist der Spread oft nur wenige Hundertstel Prozent. Bei kleinen Nischen-ETFs kann er deutlich größer sein. Deshalb ist Fondsvolumen ein Auswahlkriterium.
Was ist die Tracking Difference?
Die Tracking Difference (TD) misst, wie weit die Wertentwicklung des ETFs vom Index abweicht, meist als Jahresdurchschnitt über mehrere Jahre. Die TER ist die gebuchte Gebühr; die TD ist das, was nach Replikation, Wertpapierleihe und anderen Effekten übrig bleibt. Bei breiten Welt-ETFs liegt sie oft knapp unter null, weil Leiheerträge einen Teil der TER ausgleichen. Beim Vergleich zweier Index-ETFs ist die TD oft aussagekräftiger als 0,05 Prozentpunkte TER-Unterschied.
Sind 0,20 Prozent TER viel?
Für einen Welt-ETF ist das im Rahmen, aber nicht spitze. 0,12 statt 0,22 Prozent klingt nach nichts und summiert sich über 30 Jahre. Zwischen 0,12 und 0,15 Prozent solltest du nicht lange nachdenken. Zwischen 0,20 und 1,50 Prozent schon.
Welche Kosten kann ich selbst senken?
Vier Hebel: einen ETF mit niedriger TER und guter Tracking Difference auf einen breiten Index wählen, einen Broker mit kostenlosem Sparplan nutzen und selten umschichten. Jeder Verkauf kostet Spread, oft Steuer, und unterbricht den Zinseszins. Details zu Rendite und Zeit im Ratgeber Rendite und Zinseszins.