Altersvorsorgedepot: Riester-Nachfolge mit 540 € Förderung, aber auch mit Haken.

Das Altersvorsorgedepot ist die Riester-Nachfolge, jedoch mit mehr Freiheit und bis zu 540 € Zuschuss im Jahr. Die Erträge in der Ansparphase bleiben steuerfrei, ETFs sind bis zu 100 % möglich.
Der Hebel kommt aus der Förderlogik: Auf Einzahlungen gibt es erst 50 Cent je Euro, später 25 Cent bis zur Obergrenze von 1.800 € pro Jahr. Familien erhalten zusätzlich Kinderzulagen.
Der Haken: Das Geld ist bis 65 gebunden, die Auszahlung im Ruhestand wird voll versteuert. Und das Standardprodukt hat einen Kostendeckel von 1 % - über Jahrzehnte summiert sich das.
Altersvorsorgedepot: Was sich gegenüber Riester ändert
Der große Unterschied ist die Anlagefreiheit. Ohne Schutz, dass zum Beginn der Rente mindestens die eingezahlten Beiträge vorhanden sind. darf die Aktienquote auf bis zu 100 % steigen. Für einen langen Horizont ist das ein Pluspunkt, weil Umschichtungen in Anleihen nicht erzwungen werden.
Die Förderung ist höher und dynamischer: Zuerst legt der Staat 50 Cent je eingezahltem Euro drauf, später 25 Cent, gedeckelt bei 1.800 € Eigenbeitrag. Wer die Höchstgrenze nutzt, kommt auf bis zu 540 € im Jahr.
Neu ist auch, wer mitmachen darf: Selbstständige ohne Rentenversicherungspflicht sind förderberechtigt. Bestehende Riester-Verträge können ab 2027 in das neue Modell übertragen werden, die bisherigen Zulagen bleiben erhalten.
Förderung nutzen, Kosten im Griff behalten
Das Standardprodukt ist auf 1 % Effektivkosten pro Jahr gedeckelt. Klingt moderat, wird aber über 40 Jahre teuer. Im Vergleich zu einem selbst gewählten ETF-Setup mit 0,2 % Differenz kommen rund 65.000 € Mehrkosten zusammen - genau der Punkt, an dem ein Fördervorteil versandet, wenn man die bequeme Variante wählt.
Konsequenz: Wer die Förderung mitnimmt, sollte die ETF-Auswahl und die Kosten aktiv steuern. Was regelmäßige Raten über Jahrzehnte ausmachen, zeigt der ETF-Rechner.
Bindung bis 65 und Steuern im Alter: der Preis für die Förderung
Gefördertes Vermögen ist zweckgebunden. Vorzeitige Entnahmen vor 65 gelten als förderschädlich, Zulagen und Steuervergünstigungen müssten zurück. Dieses Konto ist kein Ersatz für liquide Rücklagen. Der passende Puffer bleibt der Notgroschen.
In der Auszahlphase greift die volle Besteuerung mit dem persönlichen Satz. Im normalen Depot fällt dagegen nur die Abgeltungssteuer an, bei Aktienfonds mit Ein Teil der Fondserträge bleibt bei der Abgeltungssteuer steuerfrei, je nach Fondstyp.. Das Altersvorsorgedepot verlagert Steuern nach hinten, eliminiert sie aber nicht.
Flexibler als früher ist die Form der Auszahlung: möglich sind ein Auszahlplan bis 85, eine lebenslange Leibrente oder eine Kombination. Bis zu 30 % dürfen einmalig entnommen werden.
Risiko und Anlagegrenzen: 100 % Aktien ja, Kapitalschutz nein, braucht aber auch keiner.
Ohne Garantie kann das Depot zwischenzeitlich natürlich deutlich schwanken. Wer kurz vor Rentenbeginn in eine Krise gerät, spürt das, stichwort Renditereihenfolge Risiko. Es gibt aber optionale Sicherungsvarianten mit 80 % oder 100 % Schutz, die erkauft man sich aber mit geringerer Rendite.
Nicht alles ist zugelassen: Erlaubt sind Fonds der Risikoklassen 1 bis 5, EU-Staatsanleihen und Geldmarktprodukte. Einzelaktien, Krypto und Hebelprodukte sind ausgeschlossen. Für Spielarten außerhalb dieses Rahmens bleibt das normale Depot parallel bestehen.
Familien und Selbstständige: Wer besonders profitiert
Familien bekommen eine Kinderzulage von bis zu 300 € pro Kind und Jahr - schon ab 25 € monatlichem Eigenbeitrag. In der Praxis führt das zu sehr hohen Förderquoten, im Beispiel sind es 250 %.
Selbstständige können die Förderung erstmals systematisch nutzen. Das ist ein echter Schub, weil regelmäßiges Sparen mit staatlichem Zuschuss sonst kaum verfügbar war.
Wichtige Eckdaten und Termine
| Wann | Was | Warum es zählt |
|---|---|---|
| 01.01.2027 | Start Übertrag Riester-Guthaben | Bisherige Zulagen bleiben erhalten |
| 65 Jahre | Bindung des Guthabens | Vorherige Entnahme ist förderschädlich |
| bis 30 % | Einmalige Kapitalauszahlung | Liquidität zu Rentenstart möglich |
| bis 85 | Auszahlplan möglich | Planbare Entnahme statt Pflicht-Rente |
| 1 % p.a. | Kostendeckel Standardprodukt | Über 40 Jahre entscheidend für Rendite |
Gut zu wissen: Zulagen werden nicht rückwirkend gutgeschrieben. Wer spät startet, verschenkt Förderung für das laufende Jahr.
Was als Nächstes zählt
Bis zum Start 2027 klärt sich, welche ETF-Auswahl und welche Gebührenmodelle konkret angeboten werden. Wichtig sind drei Dinge: die Förderung bis zur Höchstgrenze ausschöpfen, die laufenden Kosten senken und die Risikosteuerung an den Rentenzeitpunkt anpassen. Ein Liquiditätspuffer außerhalb des Altersvorsorgedepots verhindert, dass du in einer Schwächephase verkaufen musst.
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