Marktupdate Mitte August: Jobs schwächer, Trade Desk knickt ein, Cloudflare liefert

Vor einer Woche wirkte eine Zinserhöhung im September noch realistisch. Dann kam der US-Arbeitsmarkt - und das Bild drehte sich.
Gleichzeitig gingen die Quartalszahlen stark auseinander: The Trade Desk brach ein, Cloudflare sprang nach oben. SpaceX und Novo Nordisk lieferten große Schlagzeilen - mit sehr unterschiedlicher Kursreaktion.
Wie wird die kommende Woche an der Börse?
Tippen zum Abstimmen
Stimme konnte nicht gespeichert werden. Nochmal versuchen?
Termine der nächsten zwei Wochen
| Wann | Was | Warum es zählt |
|---|---|---|
| 12.08.2026 | US-CPI (Verbraucherpreise) Juli | Wichtigstes Signal für die Fed |
| 13.08.2026 | US-PPI (Erzeugerpreise) Juli | Zeigt Preisdruck bei Unternehmen |
| 18.-20.08. | Home Depot, Walmart, Deere | Check für US-Konsum und Investitionen |
| 19.08.2026 | FOMC-Protokoll (Fed-Sitzungsprotokoll) | Wie hart war die Debatte in der Fed? |
Vormerken: Nvidia am 26. August und Jackson Hole vom 27. bis 29. August. Das sind die nächsten großen Termine rund um KI und Zinspolitik.
Der Arbeitsmarkt schwächelt - die Börse steigt trotzdem
Am Freitag kam die US-Beschäftigung für Juli: -23.000 Stellen. Erwartet wurden etwa +80.000 bis +86.000. Für Mai und Juni wurden zusätzlich 103.000 Stellen nach unten korrigiert.
Die Arbeitslosenquote fiel auf 4,1 % - klingt erstmal gut. Gleichzeitig arbeiteten aber weniger Menschen: Die Erwerbsquote sank auf 61,4 %. Weniger Teilnehmer am Arbeitsmarkt können die Quote also auch „schöner“ aussehen lassen. Die Stundenlöhne stiegen nur noch um +0,1 % zum Vormonat und +3,2 % zum Vorjahr.
An der Börse war die Lesart klar: weniger Druck für eine Zinserhöhung. Tech-Aktien und zyklische Konsumwerte führten die Erholung. Der Nasdaq legte in der Woche rund +3 % zu, der Halbleiter-ETF SOXX sogar etwa +7 %.
Kurzer Recap: SpaceX und Novo
Zwei große Stories der Woche - beide mit eigenen Artikeln bei uns.
SpaceX: Umsatz verdoppelt, Investitionen explodieren
SpaceX hat am 4. August die ersten Quartalszahlen nach dem Börsengang vorgelegt. Der Umsatz stieg auf 7,81 Mrd. USD (+92 %) und lag klar über den Erwartungen. Das bereinigte Betriebsergebnis vor Abschreibungen (EBITDA) verdreifachte sich fast auf 3,5 Mrd. USD.
Starlink wächst weiter: 12 Mio. Nutzer, Umsatz mit Konnektivität 4,29 Mrd. USD (+66 %) - und dieses Segment verdient schon Geld. Das KI-Geschäft wuchs auf 2,56 Mrd. USD Umsatz (+247 %), machte aber gleichzeitig 1,26 Mrd. USD operativen Verlust.
Was die gute Umsatzstory überlagerte: Investitionen von 18,37 Mrd. USD im Quartal - mehr als sechsmal so viel wie im Vorjahr.
→ SpaceX Quartalszahlen im Detail
Novo: Prognose hoch, Kurs trotzdem runter
Novo Nordisk meldete am 4. August (Telefonkonferenz am 5.). Die Jahresprognose wurde angehoben: Umsatz und operativer Gewinn ohne Währungseffekte jetzt 0 % bis −6 % statt zuvor bis −12 %. Der bereinigte Q2-Umsatz lag bei 78,5 Mrd. DKK, der bereinigte operative Gewinn bei 33,4 Mrd. DKK.
Trotzdem verlor die US-Aktie (ADR) am Ergebnistag rund -6 %. Der Markt schaute weniger auf die bessere Prognose und mehr darauf, ob die orale Wegovy-Pille und die nächste Produktpipeline stark genug sind. Eli Lilly wuchs im gleichen Zeitraum deutlich stärker - und wurde belohnt.
→ Novo: Prognose rauf, Kurs runter
→ Vorab-Analyse vor den Zahlen
Zwei Welten am selben Tag: Trade Desk vs. Cloudflare
Am 6. August nach US-Börsenschluss kamen zwei Tech-Zahlen - mit entgegengesetzter Botschaft.
The Trade DeskTTD
Umsatz nur +3 %, Ausblick weit unter Erwartung. Nachbörslich zeitweise -22 % bis -27 %.
CloudflareNET
Umsatz +36 %, Gewinn über Erwartung, Jahresprognose angehoben. Nachbörslich rund +17 %.
The Trade Desk: Wachstumsbremse
Umsatz: 715 Mio. USD, nur noch +3 % zum Vorjahr - klar unter den erwarteten rund 752 Mio.. Gewinn je Aktie (bereinigt): 0,34 USD statt 0,40 USD.
Noch härter war der Ausblick: Für das dritte Quartal nannte das Unternehmen mindestens 650 Mio. USD Umsatz. Der Markt hatte eher mit rund 805 Mio. gerechnet. Die Aktie gab schon im normalen Handel nach und stürzte nachbörslich weiter ab.
Die Kunden bleiben dem Unternehmen treu (Bindung über 95 %). Das Kernproblem ist trotzdem klar: vom früheren Hochwachstum auf nur noch +3 % - und ein Ausblick, der für Q3 sogar einen Rückgang signalisiert.
Cloudflare: Wachstum plus bessere Zahlen
Umsatz: 696 Mio. USD (+36 %), über den erwarteten rund 665 Mio.. Bereinigter Gewinn je Aktie: 0,29 USD statt 0,27 USD. Free Cashflow (Geld, das nach Investitionen übrig bleibt): 56 Mio. USD. Die Jahresprognose geht nun bis 2,87 Mrd. USD.
Hier zählt weniger das KI-Schlagwort und mehr die Kombination: weiterhin hohes Wachstum, bessere Profitabilität und positiver Cashflow.
Rollins und Infineon: kurz notiert
Rollins (Schädlingsbekämpfung) hatte in dieser Woche keine neuen Zahlen. Ende Juli kamen die Q2-Zahlen: Umsatz +7,9 %, aber Gewinn unter Erwartung - die Aktie gab damals klar nach. Langfristig bleibt das Modell mit wiederkehrenden Service-Umsätzen interessant. Kurzfristig zählt vor allem die Marge.
Infineon lieferte am 5. August Rekordumsatz: 4,17 Mrd. € (+12,6 % zum Vorjahr), Segmentmarge 19,1 %. Für das nächste Quartal stellt der Konzern rund 4,7 Mrd. € in Aussicht. Treiber: Stromversorgung für KI-Rechenzentren. Passend dazu die starke Wochenbewegung bei SOXX.
Was als Nächstes zählt
Nach dem schwachen Arbeitsmarktbericht entscheidet vor allem der US-CPI am 12. August, worauf die Börse stärker schaut: nachlassende Preise - oder nachlassendes Wachstum.
Zwei grobe Lesarten:
- Positiv für Aktien: Die Inflationszahlen fallen, Zinsen und Anleiherenditen sinken. Dann bekommen teure Tech- und Chip-Aktien oft Rückenwind. Starke Zahlen von Walmart & Co. würden die Lesart „weichere Jobs, aber keine Rezession“ stützen.
- Negativ für Aktien: Die Preise bleiben hoch, während Jobs und Konsum schwächer werden. Dann steigen die Sorgen vor schwächerem Wachstum bei gleichzeitig zäher Inflation - und teure Wachstumsaktien kommen wieder unter Druck.
Trade Desk hat gezeigt, wie schnell Kurse drehen, wenn Wachstum und Ausblick nicht passen. Bei Chips bleibt die Erholung fragil, solange Nvidia Ende August noch aussteht.
Weitere Tools: ETF-Rechner · Dividendenrechner · Zinseszinsrechner
