Inflation: Warum Sparen allein nicht reicht
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Auf dem Girokonto bleibt die Zahl gleich. Was du dir davon kaufen kannst, nicht. Steigen die Preise, wird dasselbe Geld weniger wert. Deshalb reicht Sparen ohne Anlage auf Dauer nicht.
Wie Vermögen danach wächst, steht in Rendite und Zinseszins. Hier geht es um diesen Abzug.
Was Inflation mit 10.000 Euro macht
Zwei Prozent Teuerung klingen nach wenig. Nach zehn Jahren kaufen 10.000 Euro ungefähr so viel wie 8.200 Euro heute. Nach 30 Jahren bleibt die Kaufkraft von rund 5.500 Euro.
10.000 Euro geteilt durch 1,02 hoch Anzahl der Jahre, gerundet. Der Kontostand bleibt 10.000 Euro, die Menge an Waren und Miete nicht.
Der Kontostand stimmt. Er sagt nur nichts über die Kaufkraft.
Nominale und reale Rendite
Bekommst du 2 Prozent Zinsen und die Inflation liegt bei 2 Prozent, bleibt real ungefähr null. Liegt der Zins darunter, verlierst du Kaufkraft, obwohl das Konto wächst.
Bei Aktien rechnest du andersherum: 7 Prozent nominale Rendite minus 2 Prozent Inflation lassen grob 5 Prozent real übrig. Diese 5 Prozent sind der Grund, warum ein Welt-ETF über Jahrzehnte mehr Lebensstandard aufbauen kann als ein gut verzinstes Tagesgeld.
Welches Geld wohin gehört
Notgroschen. Drei bis sechs Monatsausgaben aufs Tagesgeld. Hier zählt Verfügbarkeit, nicht die letzte Zehntelrendite.
Ziele in drei bis fünf Jahren. Autokauf, Umzug, Hochzeit. Ebenfalls Tages- oder Festgeld. Ein Kursrutsch kurz vor dem Termin ist teurer als entgangene Aktienrendite.
Alles mit Horizont über zehn Jahren. Hier ist Inflation der Gegner. Ein breit streuender ETF, wie im ETF-Ratgeber beschrieben, hat historisch nach Teuerung ein Plus geliefert. Schwankung gehört dazu. Dauerhafter Kaufkraftverlust auf dem Girokonto auch, nur leiser.
Was du nicht tun solltest
Nicht den Notgroschen in Aktien schieben, weil die Inflation gerade in den Nachrichten ist. Nicht Gold, Krypto oder fünf Themen-ETFs kaufen, nur weil irgendwer „Inflationsschutz“ daraufgeschrieben hat. Und nicht warten, bis die Teuerung wieder „normal“ ist. Normale Inflation frisst trotzdem jedes Jahr Kaufkraft.
Der Plan ändert sich nicht: Reserve aufs Tagesgeld, Rest in einen günstigen Welt-ETF, Rate halten. Inflation macht das nur dringlicher.
Häufige Fragen
Wie hoch ist die Inflation in Deutschland üblicherweise?
Die EZB steuert mittelfristig auf etwa 2 Prozent. In einzelnen Jahren lag die Teuerung deutlich darunter oder, wie 2022, deutlich darüber. Für lange Sparpläne ist 2 Prozent eine brauchbare Annahme. Wer unsicher ist, rechnet ein Ziel zusätzlich mit 3 Prozent durch.
Reicht Tagesgeld gegen Inflation?
Nur wenn der Zins nach Steuern mindestens so hoch ist wie die Teuerung. Das war über lange Strecken nicht der Fall. Tagesgeld ist trotzdem richtig für Geld, das du in den nächsten drei bis fünf Jahren brauchst. Es ist die falsche Adresse für den Vermögensaufbau über 20 Jahre.
Schützen Aktien vor Inflation?
Unternehmen können Preise anheben, wenn Löhne, Mieten und Vorprodukte steigen. Deshalb haben breite Aktienmärkte über lange Zeiträume real, also nach Inflation, ein Plus geliefert. Kurzfristig können Aktien und Inflation gleichzeitig wehtun, etwa wenn Zinsen steigen und Kurse fallen.
Was bedeutet reale Rendite?
Die nominale Rendite ist das Plus in Euro. Die reale Rendite sagt, wie viel mehr du dir davon leisten kannst. Grobe Näherung: nominale Rendite minus Inflationsrate. Genau genommen gilt (1 + nominal) / (1 + Inflation) minus 1. Bei 7 und 2 Prozent sind das rund 4,9 Prozent.
Soll ich wegen hoher Inflation alles auf einmal anlegen?
Inflation ist ein Argument, Geld nicht endlos auf dem Girokonto zu lassen. Sie ist kein Argument, den Notgroschen aufzulösen oder ohne Reserve in den Markt zu gehen. Drei bis sechs Monatsausgaben bleiben auf dem Tagesgeld. Der Rest kann über Sparplan oder, wenn du es aushältst, als Einmalanlage in einen Welt-ETF.